Mittwoch, 23. März 2016

App in die Römerzeit!

Stephan Nebiker bei der Präsentation der App an der
Jahresmedienkonferenz von Augusta Raurica
Mit der neuen App für Augusta Raurica, welche das Institut Vermessung und Geoinformation (IVGI) der FHNW in Zusammenarbeit mit dem wissenschaftlichen Team der Römerstadt entwickelt hat, wird Unsichtbares sichtbar, denn grosse Teile der antiken Römerstadt sind heute leider verschwunden oder verborgen.
Dank der neuen App wird es jetzt spannend und plötzlich sichtbar, dass die grüne Wiese im Vorfeld der Theaterruine in der Zeit um 200 nach Christus ein dicht bebautes, pulsierendes Stadtquartier war.
Interaktive Strassenszene in der Augusta Raurica App
Die App kann aber nicht nur vor Ort, sondern auch gemütlich vom heimischen Sofa aus studiert werden, beispielsweise mit der interaktiven 3D-Karte. Vor Ort bietet die App eine Führung vom Bus-Parkplatz bis zum Museum samt dreisprachigem Audio-Guide und Zusatzinfos in Text und Bild.
Mit einem interaktiven Panoramabild einer lokalen Strassenszene können Besucherinnen und Besucher erkunden, wie es an identischer Stelle vor 2000 Jahren ausgesehen hat und wie geschäftig es im heute eher beschaulichen Augst damals zu und her ging.
Das audiovisuelle Abtauchen in die Römerzeit vor 2000 Jahren nennt die Fachwelt "Augmented Reality". Auf dem Weg zur computergestützten Erweiterung der Realitätswahrnehmung durch verortete Informationen wird die App-Version 1.0 allerdings bloss der erste Schritt sein. Das IVGI-Entwicklungsteam um Martin Christen und Stephan Nebiker denkt bereits über wesentlich leistungsstärkere Folgeversionen nach, dank denen man von einem beliebigen Standort aus jene Ansicht simulieren und überlagern kann, die sich einem Römer an der genau gleichen Stelle vor 2000 Jahren geboten hätte.
Screenshot: Karte mit den 4 Posten
Bei der Entwicklung der kostenlosen App, welche ab sofort für Android-Smartphones und in Kürze für iPhones heruntergeladen werden kann, konnte die Römerstadt auf die langjährige Zusammenarbeit mit der FHNW und deren Fachwissen zurückgreifen. So waren Dozenten und Studierende des IVGI vor drei Jahren bereits an der Realisierung des grossen Bronzemodells von Augusta Raurica beteiligt.

Die App „Unsichtbares sichtbar machen“für Android und iPhone erhältlich:

App im Android Play Store 
App im Apple App-Store


Projekteam:

Martin Christen
Dozent für Geoinformatik

Prof. Dr. Stephan Nebiker
Dozent für Photogrammetrie, Fernerkundung und Geoinformatik

Stefan Blaser
Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Mittwoch, 16. März 2016

Mein Auslandsjahr in Deutschland

Von Andrea Koch, BSc Studierende im 4. Semester

Mein Weg nach Hamburg 

International Studierende während der Welcome Week
Gegen Ende des ersten Semesters an der FHNW suchte ich den Kontakt mit Herrn Gottwald und Frau Shultis (Erasmus-Beauftragte), um meine Idee zu besprechen. Beide waren erfreut und haben mich bestens unterstützt. Ich habe mich informiert, wie das Anmeldeverfahren in Hamburg abläuft und was alles zu tun ist. Da die HafenCity Universität in Hamburg (HCU) eine Partnerhochschule der FHNW ist, vereinfachte sich das Anmeldeverfahren. Als erstes musste mich die FHNW bei der HCU nominieren. Daraufhin bekam ich alle Informationen der HCU bezüglich der Bewerbung. Diese lief problemlos ab, ich musste einige Dokumente ausfüllen, ein Motivationsschreiben aufsetzen und ein Learning Agreement erstellen. Darin wird geregelt, welche Kurse besucht werden und was angerechnet wird.
Ende Mai bekam ich dann einen definitiven Bescheid, dass ich angenommen  worden sei. Frau Shultis hat für mich alles mit dem Erasmus-Ersatzprogramm geregelt, was auch problemlos klappte.
Lange hab ich mir überlegt, ob ich in ein Studentenwohnheim möchte oder doch lieber eine WG suche. Ich denke, die Entscheidung kann weder falsch noch richtig sein, und habe mich für eine WG entschieden. Die Wohnungen sind in Hamburg vergleichsweise teuer und es war nicht einfach, ein Zimmer aus der Ferne zu finden. Ich hatte aber Glück und fand ein möbliertes Zimmer genau für die gewünschte Zeit.

Die ersten Tage 

Bevor das eigentliche Semester in Hamburg begann, wurde von der HCU eine Welcome Week organisiert. Dort taffen sich alle internationalen Studierenden und es gab viele Informationen zur Uni, zum Leben in Hamburg und Deutschland und was wir alles noch zu erledigen hatten. So mussten wir uns beim Einwohneramt anmelden, denn nur mit dessen Bestätigung kann man ein Bankkonto eröffnen. Als Schweizerin musste ich zudem eine Aufenthaltsbewilligung beantragen. Das International Office der HCU war dabei sehr hilfsbereit und bemühte sich, einen reibungslosen Start zu ermöglichen. Während dieser Woche wurde mir auch mitgeteilt, dass ich aus allen Bachelor-Kursen frei wählen dürfe, was ich besuchen möchte. Das brachte mein Learning-Agreement nochmals durcheinander, denn ich meldete mich für Kurse aus dem dritten und fünften Semester an. Dabei konnte ich meinen Stundenplan selbst zusammenstellen. Natürlich musste ich darauf achten, dass keine zwei Veranstaltunge gleichzeitig stattfinden, was nicht ganz einfach war. Mein Stundenplan bestand aus den bekannten Grundlagenfächern wie Ausgleichungsrechnung, dazu kamen speziellere Kurse wie Hydrographie, Geologie und Ortsplanung. Insgesamt kam ein sehr abwechslungsreiches Programm zusammen.

Das erste Semester im Rückblick 

Die HCU bei Sonnenuntergang
Ich dachte, am Anfang wird es bestimmt schwer sein, sich im neuen Uni-Alltag zurecht zu finden. Doch ich kannte schon einige Leute (unter anderem auch Schweizer) aus der Welcome Week und die Hamburger Studenten waren sehr offen und hilfsbereit. So fand ich schnell Anschluss und fühlte mich bald wohl. Die HCU ist mit ca. 1700 Studierenden eine kleine Uni und meiner Ansicht nach sehr familiär. Die Mensa ist übersichtlich, meist ist das Essen lecker und das Preis-Leistungs-Verhältnis ist, wie ich finde, top.
Auch das Leben in Hamburg gefällt mir. Die Stadt ist einiges grösser als Basel und ich brauchte etwas Zeit, bis ich mich zurecht fand. Es ist faszinierend, wie lange man von einer Ecke zur anderen fahren kann und nie hört die Stadt auf ;-) Von der Universität Hamburg wird ein riesiges Sportangebot angeboten. Dort habe ich mich oft ausgetobt und auch einen Kletterkurs absolviert. Für das Sommersemester habe ich mir vorgenommen, einen Segelkurs zu machen, schliesslich sind die Bedingungen hier perfekt.
Meine Kurswahl brachte auch einen Nachteil mit sich: Manchmal wurden aus organisatorischen Gründen Kurse um zwei Stunden verschoben, so dass ich nicht teilnehmen konnte, weil ich zu der Zeit einen anderen Kurs belegte. Da bei diesem Kurs aber keine Anwesenheitspflicht bestand, war es nicht weiter schlimm. Für mich war es toll, dass ich mit zwei verschiedenen Semestern Vorlesungen hatte, so konnte ich viele Leute kennenlernen und mehr profitieren.

Zwischenfazit und Ausblick

Mit dem ersten Semester bin ich zufrieden, ich habe in den meisten Kursen viel gelernt, gleichzeitig aber ebenso erlebt, dass es auch unbefriedigende Kurse gibt, was frustrierend ist. Es gibt hier während des Semesters keine Prüfungen. Das hat den Vorteil, dass man nicht gezwungen ist, Stoff zu wiederholen und zu vertiefen und sich stattdessen auf Hausarbeiten und Praktikumsberichte konzentrieren kann. Doch der grosse Nachteil ist, dass man je nach Selbstinitiative zu wenig tut und ohne Vornote die Abschlussprüfung schreiben muss. Gerade ist die Prüfungsphase vorbei und schon geht es wieder los mit der Kurswahl für das Sommersemester. Ich habe mir wieder ein spannendes Programm zusammengestellt mit Veranstaltungen wie Kartographie, Geodätische Netze, Geodateninfrastruktur und Photogrammetrie. Hier geht es erst anfangs April wieder los, bis dahin geniesse ich die Semesterferien und möchte noch einiges besuchen in Hamburg. So stehen das Miniaturwunderland und einige Museen auf der To-do-Liste.
Ich fühle mich wohl hier in Hamburg. Klar, Momente des Zweifels gibt es, aber das Leben hier macht Spass. Ich konnte schon vieles Erleben, sehen und kennenlernen. Ja, durch dieses Auslandjahr habe ich mein en persönlichen Horizont erweitert und mich weiterentwickelt. Ich kann es allen empfehlen diesen Schritt auch zu machen – es lohnt sich garantiert!

Freitag, 4. März 2016

Kolloquiums Vortrag "Swipos und Multi-GNSS Processing" von Dr. Urs Wild

In seinem Werkstattbericht informierte Dr. Urs Wild, Leiter des Positionierungsdienstes (swipos) des Bundesamtes für Landestopografie swisstopo die 67 Anwesenden zuerst über die aktuell nutzbaren GNSS Satelliten und den geplanten Weiterausbau: 32/32 GPS (USA), 24/24 GLONASS (russische Föderation), 8/18(-30) Galileo (Europa), 16/35 BDS (China). So sind aktuell in der Schweiz bei günstigen Verhältnissen (d.h. keine Abdeckungen und "gesunde" Satelliten) die Signale von 30 bis 40 Navigationssatelliten zu empfangen.

Als Datenaustauschformate sind RINEX 2.0, 2.11, 3.02 und RTCM 2.3, 3.1 verbreitet, es wird aber stark auf "Multi-GNSS" fähige Formate hingearbeitet (RINEX 3.03, RTCM 3.2). Urs Wild erläuterte die wesentlichen Charakteristiken und Inhalte dieser Austauschformate und wandte sich dann dem Projekt AGNES-III zu.



AGNES-III begann 2013 mit der Modernisierung aller 30 Stationen: Die neuen GNSS-Antennen und -Empfänger (Bild) liefern heute GPS, GLONASS, Galileo und BDS Daten in Echtzeit. Die Auswerte- und Vernetzungssoftware in der Rechenzentrale (Trimble VRSNet) kann gegenwärtig zwar nur GPS und GLONASS Daten verarbeiten, doch sind Versuche mit einer neuen Version RTXNet im Gange, die ab etwa Herbst 2016 operabel sein wird. Urs Wild erklärte den Hörerinnen und Hörern die Funktionen und Einstellungen dieser Software (Bild), die bei Testmessungen erkannten Schwierigkeiten und Versuche, die momentanen Unzulänglichkeiten befriedigend zu lösen. So sollen ab Mai 2016 MSM-Test Mountpoints (MSM = Multiple Signal Message) zur Verfügung stehen.
"Multi-GNSS" wird vor allem die Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit von swipos weiter steigern.




Zu erkennen ist auch eine Absicht der Systemhersteller (Trimble, Leica Geosystems AG), die Vernetzungs- und Positionierungsdienste selber anzubieten und deshalb den heutigen Dienste Anbietern (swisstopo, refnet, sapos, AXIO-NET, usw.) nur noch Blackboxsysteme zu liefern, um von ihnen längerfristig auch ihr Dienste Geschäft zu übernehmen versuchen.


Bildquellen: Trimble + swisstopo, 2016