Donnerstag, 15. Dezember 2016

Abschiedsvorlesungen von Prof. Beat Sievers (23. Nov. 2016) und Prof. Dr. Stephan Gass (6. Dez. 2016)

Zuerst verabschiedete sich Prof. Beat Sievers vor vollen Rängen von seinen Fachkollegen, siehe Abb. 1. In seinem Referat mit dem Titel "40 Lebensjahre für die Ingenieur-Vermessung  −  Projekte, Erfahrungen, Erkenntnisse und Vorhaben" liess er seine Tätigkeit Revue passieren.
Abb1 und 2: Beat Sievers bei seiner Abschiedsvorlesung
Seine abwechslungsreiche berufliche Laufbahn führte über die Stationen Studium an der ETHZ, Praktika bei Swissair Photo und Vermessungen AG, Nachführungsgeometerbüro H. Reimann in Sumiswald BE und bei H.J. Matthias AG, Lenzburg, Assistent und Oberassistent an der ETHZ zur Tätigkeit als Ingenieurgeometer / Ingenieurgeodät / Geoinformatikingenieur bei Flotron AG, Meiringen. Anschliessend wechselte er zu Markwalder und Partner AG, Burgdorf und arbeitete danach als selbstständiger Geomatik Unternehmer.

Die letzten 15½  Jahre versah er die Professur für Geodäsie und Navigation an der FHBB/FHNW. Der Inhalt seiner Lehrtätigkeit war
  • geodätische Statistik: Beurteilung von Messgrössen, Fortpflanzung von systematischen und zufälligen Messabweichungen in Funktionen
  • Ausgleichungsrechnung (vermittelnd, bedingt, Gauss-Helmert)
  • (höhere) Geodäsie (d.h. Landes- und Erdvermessung)
  • Globale Navigationssatelliten Systeme GNSS (GPS, GLONASS, Galileo)
  • Ingenieurgeodäsie
  • Projektmanagement in der Vermessung

Forschung und Entwicklung sowie Dienstleistungen für Dritte betrieb er im Rahmen von Bachelor- und Master-Arbeiten sowie Messkampagnen, z.T. in Zusammenarbeit mit P. Mahler und B. Fischer. Arbeiten aus den Themen
  • Bezugsrahmenwechsel (LV03↔LV95 bzw. Gauss-Krüger nach ETRS89/UTM)
  • Homogenisierung von Fixpunktnetzen
  • Interpolation (verschiedene Methoden) mit Softwareerstellung und Erarbeitung von Qua-litätsindikatoren
  • praktische Untersuchung neuer Instrumente und Auswertesoftwares und Erarbeiten von Erkenntnissen und Einsatzgrundsätzen
  • Integration moderner Aufnahmeverfahren mit GIS
  • GNSS:    Untersuchung von Vernetzungsmethoden (VRS, MAC, FKP)
  • GNSS:    Einsatz von Referenzstationen in Post-Processing und Echtzeitkinematik (swipos-PP, swipos-INFRA, swipos-GIS/GEO und Leica Spider/refnet)
  • GNSS:    Untersuchung von modernen Übertragungstechniken (GSM, Internet) und Datenformaten (RTCM 3.1 / 3.2 MSM)
  • Deformationsmessungen mit Auswertung und Analyse (Schwanderbärgli bei Brienz, Schlipf bei Riehen; 2½D oder 3D ausgeglichen robust und MdkQ)
  • Bestimmung rezenter Krustenbewegungen (Wildhorndecke, Strain-Zone Le Pont, SGK-Netz Turtmann; 3D; zusammen mit swisstopo)
  • Fixpunktnetz höchster Genauigkeit für das Felslabor Mont Terri (mit swisstopo)
  • Geomonitoring (Systemaufbau, Installation, Betrieb, Auswertung)
führten zur
  • Mitwirkung beim Aufbau des Leitfadens der V+D für die Anwendung geometrischer Transformationsmethoden in der amtlichen Vermessung (2008).

Die Informatik spielte im Berufsleben von Beat Sievers immer eine herausragende Rolle. In sei-ner Studienzeit gab es noch Kartenlocher und Lochkarten als Standardeingabe für Rechner, vgl. Abb. 3. Vor dem PC rechnete man am Zentralrechner an einer Eingabe-Tastatur, Abb. 4.

Abb3: Lochkarte und Lochkartenstanzer
Abb4: Arbeiten am Zentralrechner
Neben seiner beruflichen Kerntätigkeit engagierte sich Beat Sievers noch bei der Geometerkommission als Prüfungsexperte, Themenkreis-Chef, Kommissionsmitglied und Leiter Ausschuss Theoretische Vorbildung. An der FHNW war er Mitglied der Mitwirkungsorganisation. Allseits wird ihm Genauigkeit, Zuverlässigkeit und Präzision attestiert.

Mit Beat Sievers verlässt ein prägender Geomatik-Ingenieur und Lehrer sowie ein interessanter Diskussionspartner das IVGI der HABG/FHNW.

Prof. Dr. Stephan Gass erteilte seit 1985 an der IBB/FHBB/FHNW die Fächer Deutsch bzw. Kommunikation und Recht. Daneben versah und versieht er weiterhin das Amt eines kantonalen Oberrichters im Kanton Basel-Landschaft. Dort hatte und hat er die verschiedensten Fälle zu beurteilen, was zu einem reichhaltigen Fundus an konkreten Beispielen führte. Ehemalige StudentInnen erzählen denn auch, wie Stephan Gass es verstand, einen sehr interessanten Unterricht zu gestalten, in dem echte Fälle eine wichtige Rolle spielten. Rollenspiele mit Klägerpartei, Angeklagten mit Verteidigern und Richtern führten die StudentInnen in Rechtslehre ein.

In seiner Abschiedsvorlesung behandelte Prof. Dr. S. Gass nochmals einige juristische Fragestellungen, welche ihn in seiner Lehrtätigkeit beschäftigt hatten. Bauingenieure, Bauherren und Architektinnen sowie die Verwalter des Grundbuchs benötigen grundlegende Rechtskenntnisse, da ihre Tätigkeiten auch immer juristische Folgen auslösen.
Abb5: Stephan Gass an seiner Abschiedsvorlesung
Abb6: Stephan Gass im Büro
Stephan Gass studierte zuerst Geschichte, Deutsch und Englisch bis zum lic. phil. I an der Uni Basel. Anschliessend doktorierte er an der Uni Bern zum Dr. phil. hist. über "Französisch-Ungarische Beziehungen nach dem 1. Weltkrieg", dies neben dem Besuch von Vorlesungen der Uni Wien über Osteuropäische Geschichte und Sowjetologie und dem Erwerb von Russischkenntnissen. Neben seiner Tätigkeit an der Fachhochschule und am Obergericht nahm er auch an DEZA-Projekten teil, in denen es um die Unterstützung ehemals kommunistischer Länder Osteuropas beim Aufbau einer unabhängigen Justiz ging. Seine Studien in Bern und Wien bildeten dazu eine gute Vorausetzung.

Mit Stephan Gass verlässt ein hervorragender Lehrer und Jurist sowie ein interessanter Diskussionpartner das IVGI der HABG/FHNW.

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