Donnerstag, 31. Mai 2018

Wichtige Überwachung des Bergsturzgebietes

In den vergangenen Jahren hat sich das Bergsturzgebiet "Schwanderbärgli" in Schwanden bei Brienz stetig um einige Zentimeter pro Jahr in Richtung Tal bewegt. Sind die Bewegungen weiterhin konstant? Haben Sie zugenommen? Wenn Ja, wieviel und wie ist das Verhalten in den verschiedenen Zonen des Bergsturzgebietes? Diesen Fragen gingen 9 Studierende der FHNW und 3 Gast-Studierende der HTW Dresden vom 14. – 25. Mai 2018 nach. Im Rahmen des Blockkurses Ingenieurgeodäsie vertieften die Studierenden Ihr Können und Wissen im Bereich von Deformationsmessungen anhand dieses realen Ausbildungsprojektes im Auftrag der Gemeinde Schwanden b. Brienz.
Die neue MS60 im Einsatz bei der Schwergewichtsmauer «In Brichen»
Mittels umfangreichen Messungen und verschiedenen Methoden wurde ein geodätisches Netz in einem topographisch anspruchsvollem Gebiet gemessen, um aus den resultierenden dreidimensionalen Koordinaten und dem Vergleich mit den Vorjahren das Langzeitverhalten des Rutschgebietes zu überprüfen. Dieses umfasst eine Grundfläche von 30 ha und einer Masse von rund 7 Mio. m3; das entspricht einem Volumen von der Fläche eines Fussballfeldes, 800 m hoch. In der Datenerfassungs-Woche standen vor allem die weitgehend selbstständige und umfangreiche Planung, die korrekte Ausführung der Messungen, die gute Teamarbeit und Kommunikation zwischen den Gruppen sowie die sorgfältige Aufbereitung und Dokumentation der Daten im Vordergrund.
Präz.-Niv. mit Trimble DiNi03 in herrlicher Umgebung
Es kamen modernste Messtechnologien wie die neue Multistation MS60 von Leica Geosystems AG für die tachymetrischen Messungen, das DiNi03 von Trimble für geometrische Präzisionshöhenmessungen, sowie das GNSS-System Viva zum Einsatz, wo nebst GPS und GLONASS erstmals auch das inzwischen vorhandene Satellitennavigationssystem Galileo verwendet werden konnte.
Konfiguration der GNSS-Empfänger GS14
Zusätzlich wurde im Gebiet "In Brichen" unterhalb der im Gelände deutlich sichtbaren Ägerdi-Spalte die Schwergewichtsmauer mittels vier MS60 gescannt. In der zweiten Woche erfolgte die Projektauswertung an der FHNW in Muttenz, um die Daten auszuwerten, zu analysieren und zu dokumentieren. Erste Resultate zeigen eine weiterhin stetige Verschiebung des Rutschgebietes von 2 bis 3 cm pro Jahr. Die Resultate der detaillierteren Auswertung und Analyse sowie deren graphische Darstellung werden im Laufe diesen Sommers auf der projekteigenen Webseite http://web.fhnw.ch/habg/projekte/schwanden/ publiziert.
Klasse G2015 – Das Messteam
Mit dabei waren: (stehend v.l.n.r.) Schuler Selina, Kägi Daniel, Sieber Ramon, Weber Adrian, Biderbost Sebastian, (knieend) Meneghin Lucia, Furrer Nicole, Meier Micha, Pünter Ursina (FHNW Muttenz), sowie Görke Michael, Jakobi Benedikt, Zehrfeld Conrad (HTW Dresden) und als Projekt- und Kursleiter Peter Mahler (nicht auf dem Bild).

Mittwoch, 30. Mai 2018

Lasertracking in der Industrierobotik: EU Horizon 2020 Projekt «KRAKEN»

Am 22.5.2018 hatte das Institut Geomatik Gelegenheit, im Rahmen des Frühlingskolloquiums Einblicke in einen spannenden Teilbereich des «Digital Manufacturing» zu erhalten. Herr Dr. Francesco Crivelli, Maschineningenieur am Centre Suisse d’Electronique et de Microtechnique (csem), und Herr Valentin Baumann, Produktspezialist für Scanning und Integrated Solutions bei Leica Geosystems, berichteten über den Einsatz moderner Vermessungstechnologien für die Echtzeit Positionserfassung von Objekten in der industriellen Fertigung.
Geomatik-Frühlingskolloquium vom 22. Mai 2018

In einem ersten Teil des Vortrages stand die Geschichte der Industrievermessung mit deren Anfängen bei der Firma Kern AG im Vordergrund. Durch den Einsatz rein optischer und später elektronisch gesteuerter Theodoliten liessen sich die Raumkoordinaten gemeinsam angezielter Punkte einschliesslich der Systemorientierung berechnen. Die grosse Nachfrage von Vermessungssystemen in der Transport-, Luftfahrt- und Maschinenindustrie wurde für Wild-Leitz zum Anlass, die Technologie voranzutreiben und führte zum genauesten zielverfolgenden Polarmesssystem für die Echtzeiterfassung bewegter Objekte. Valentin Baumann zeigte auf, dass die modernen Laser Tracker von Leica Geosystems eine mobile Echtzeitkoordinatenerfassung für die Herstellung innovativer Produkte mit engen Fertigungstoleranzen und hoher Produktivität bei geringen Kosten ermöglichen und im «Digital Manufacturing» unentbehrlich geworden sind.


Nach der anschaulichen Darstellung der Grundlagen industrieller Messtechnik stellte Francesco Crivelli das Horizon 2020 Forschungsprojekt KRAKEN der Europäischen Union vor, an welchem unter anderem die Schweiz mit wissenschaftlicher und industrieller Beteiligung involviert ist. Projektziel ist die Entwicklung eines Roboters zur additiven (3D Druck) und subtraktiven (Fräsen, Bohren, …) Herstellung sowie Herstellungsüberwachung grosser industrieller Funktionsteile, wie sie beispielsweise im Flugzeugbau benötigt werden. Eine der grossen Herausforderungen besteht in der Bereitstellung einer Mess- und Regelungstechnik, mit der sich eine exakte Echtzeitpositionierung des Endeffektors unter unterschiedlichen dynamischen Bedingungen vornehmen lässt, sagte Francesco Crivelli: Bedingt durch den geforderten Aktionsradius kann der Roboter nicht starr mit dem Fundament der Produktionshalle verankert werden, sondern wird durch einen Brückenkran an die Einsatzstelle bewegt. Flexionen und Schwingungen des mobilen Haltesystems sowie Krafteinwirkungen am Werkzeugkopf selbst induzieren unerwünschte Bewegungen des Endeffektors. Diese lassen sich mit Hilfe eines hochgenauen Monitorings erfassen und sollen durch regelungstechnische Prozesse korrigiert werden.


Dabei spielt das Laser Tracking der Firma Leica Geosystems eine fundamentale Rolle und liefert dem Regelungsprozess alle wichtigen Informationen zur 3D Position und Orientierung des Effektors in Echtzeit. Der in Spanien im Einsatz stehende Prototyp des Roboters KRAKEN soll bis Projektende im Jahr 2019 wichtige Erkenntnisse über die vorgestellte und äusserst innovative Fertigungstechnologie liefern. Auf eindrückliche Weise wurde uns die zunehmende Bedeutung der Geomatik und im Speziellen das Potenzial moderner Vermessungstechnik im «Digital Manufacturing» aufgezeigt.



Montag, 28. Mai 2018

ExpertDay an der Kantonsschule in Uster ZH


In Eigeninitiative führte die Kantonsschule in Uster einen ExpertDay durch. An diesem Tag wurden Berufe im MINT Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) den Schüler und Schülerinnen in Modulen an 90 Minuten vorgestellt. Die 1. und 3. Klasse hatte dieses Jahr das Vergnügen aus 15 verschiedenen Modulen zu wählen. Dabei fand das Modul des Institut Geomatik der FHNW mit dem Titel «Augmented Maps: Erwecke deine Karte zum Leben» nach dem Pilotenberuf bei der Swiss am zweitmeisten Besucher.
Im Modul wurde den Schüler und Schülerinnen aufgezeigt wie Fachleute der Geomatik räumliche Daten im Feld erheben und mit Augmented Reality visualisieren können. Die Livemap Switzerland wurde hierzu zusammen mit einem Ausschnitt der Swissarena aus dem Verkehrshaus in Luzern präsentiert. Mit den eigenen Smartphones konnten sie auf das Orthophoto zusätzliche räumliche Daten darstellen.

Wo wohne ich? Schüler und Schülerinnen der Kantonsschule Uster suchen nach ihnen vertrauten Orten auf einem Orthophoto der Region
Mit der Livemap Switzerland wird das Orthophoto zum Leben erweckt. Die Anwender sind begeistert.

Freitag, 18. Mai 2018

GeoPython 2018



Vom 7. bis zum 9. Mai 2018 hat zum dritten Mal in Folge die GeoPython-Konferenz, organisiert durch Prof. Martin Christen, am Institut Geomatik IGEO in Muttenz stattgefunden. Für drei Tage trafen sich User und Developerinnen der populären Programmiersprache mit speziellen Interessen für räumliche Fragen an der Fachhochschule Nordwestschweiz zum Austausch. Die Konferenz brachte über 160 Menschen aus über 30 Ländern ans IGEO nach Muttenz.


Vollbesetzter Hörsaal mit Publikum aus 30 Ländern an den GeoPython Lightning Talks
Python-Begeisterte und interessierte Python-Neulinge konnten sich am ersten Tag im Rahmen von Workshops zu Themen wie «Räumliche Analyse mit Python», «Python und QGIS» oder «Task Queues» auf ihrem jeweiligen Kenntnisstand weiterbilden. Codes und Daten wurden online gestellt, und alle konnten sich auf der eignen Maschine an den gezeigten Beispielen versuchen – natürlich auch über das Ende der Konferenz hinaus.

GeoPython-Zvieri am Mittwoch 08. Mai wartet auf hungriges Publikum
Am grossen Apero am Abend des ersten Tages war das Eis rasch gebrochen und die Teilnehmenden nutzten die Gelegenheit, um sich auch ausserhalb der Workshops über Python, «Geo» oder die Welt auszutauschen.
Nachmittagssession in der grossen Aula
An den folgenden zwei Tage konnten in parallelen Sessionen im 20-Minuten-Takt Präsentationen zu den neuesten Entwicklungen in allen möglichen GeoPython-Anwendungsgebieten genossen werden: Python für Webservices, Python in der Kartografie, Python fürs maschinelle Lernen, für die Geodatenverwaltung, Python für die Umweltwissenschaften oder die Katastrophenbewältigung oder Python als Technologie für Geovisualisierung.
Nach dem Farewell-Apero verliessen die Gäste die Konferenz mit einer Menge Impressionen inspirierender Anwendungsbeispiele und neuem Code zum selber Ausprobieren.
Wer nun wehmütig wird, weil sie/er es dieses Jahr nicht geschafft hat, sich der GeoPython anzuschliessen, findet auf http://2018.geopython.net/ viele der Präsentationen und darf auf eine spannende GeoPython-Konferenz 2019 am IGEO hoffen.