Studierende berichten: Studium, Arbeit, Freizeit und Sport in Zeiten von Corona

Anfang des Jahres war alles noch normal. Meine Wochen bestanden aus drei Tagen Studium an der FHNW, zwei Tagen im Büro als Geomatiker und dem Wochenende mit Freunden. Ach ja, und dazwischen so viel Sport wie möglich. Doch seit der Corona-Krise steht mein Leben Kopf!
Anstatt 20 Minuten mit dem Fahrrad, dauert mein Schulweg nur noch 20 Sekunden. Nämlich genau die Zeit, die ich von meinem Bett zum Schreibtisch brauche. Anstatt in Hörsälen und Klassenzimmern findet der Unterricht nun über Programme wie «Cisco Webex» und «GoTo» statt. Trotz einiger Vorzüge habe ich vom digitalen Unterricht schon nach sechs Wochen die Nase voll. Ich vermisse die Gespräche mit den Mitstudierenden, ab und zu ein Bier mit ihnen zu trinken und ehrlichgesagt kommt man sich bei Vorlesungen allein vor dem PC ziemlich einsam vor, obwohl man immerhin die Gesichter der Mitstudenten sehen kann. Als Folge davon koche und backe ich nun während des Unterrichts, was meiner Figur definitiv nicht guttut.


Jermann AG, ULR: https://www.instagram.com/p/B-KL3acF_Sa/?hl=de

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Auch bei der Arbeit hat sich einiges verändert. Da der Bereich Geomatik von den Sanktionen des Bundesrates verschont wurde, konnten meine Firma grundsätzlich weiterarbeiten. Doch besonders am Anfang der Krise war die Furcht vor einer Ansteckung unter den Mitarbeitenden gross. Denn sollte sich nur einer der ca. 80 Mitarbeitenden anstecken, besteht die Gefahr, dass der gesamte Betrieb schliessen muss. Daher wurden auch sehr schnell Massnahmen ergriffen. Innerhalb einer Woche wurden 90% der Mitarbeiter teilweise oder vollständig ins Homeoffice verlegt, was wirklich eine grossartige Leistung der IT Abteilung war. Des Weiteren wurden überall Markierungen angebracht, um die zwei Meter Abstand einzuhalten. Besprechungen gab es nur noch digital. So läuft das nun schon seit sechs Wochen. Da ich aber zu den wenigen Auserwählten gehöre, welche nicht ins Homeoffice verlegt werden konnten, muss ich immer noch zwei Mal pro Woche ins Büro fahren. Aber natürlich nicht mehr mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, sondern mit dem Fahrrad. Nun heisst es anstatt 20 Minuten Bus und Zug fahren, 40 Minuten radeln bis zum Büro und dies bei jedem Wetter, denn momentan gibt es keine Alternative dazu. Im Büro angekommen herrscht auch nach sechs Wochen immer noch eine eigenartige Stimmung, denn da nur noch etwa fünf Mitarbeitende gleichzeitig im gesamten Gebäude sind, kommt man sich auch dort ziemlich einsam vor.

Doch das Positive an dieser ganzen Homeoffice-Geschichte ist, dass es ganz viele herzige Haustierfotos aus dem neuen Büro gibt.



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Aber nicht nur bei der Arbeit und im Studium ist alles anders, auch in meinem Privatleben. Die meisten meiner Freunde habe ich seit Anfang der Krise nicht mehr gesehen. Doch das Härteste ist der Sportentzug. Meine grosse Leidenschaft ist die Leichtathletik und für dieses Jahr wollte ich es eigentlich endlich schaffen, mich über 400 Hürden für die aktiv Schweizermeisterschaft zu qualifizieren. Für einen eher bescheiden talentierten Sportler wie mich, wäre das eine grosse Leistung. Also hiess es seit August 2019 jeweils sechs Mal pro Woche trainieren und den Körper bis an die Grenzen treiben. Doch da kam Corona und beendete alles. Keine Qualifikationswettkämpfe, keine Trainings. Die ganze Arbeit war für nichts. Nun heisst es nur abwarten, ab und zu etwas joggen, um nicht total aus der Form zu kommen und zu hoffen, dass dieser Virus endlich einen Abgang macht.
Corona, war nett dich kennenzulernen, aber es wird Zeit, dass du wieder verschwindest!

Autor: Stefan Pretali, Student Bachelor in Geomatik im 2. Semester