Montag, 9. Dezember 2019

Studierende berichten: Geomatik Herbst-Kolloquium - Cloud-basierte Lösungen für das Umweltmonitoring

Über 700 Satelliten, die allein zur Beobachtung der Erdoberfläche dienen, kreisen stetig um die Erde und nehmen dabei Satellitenbilder auf. Diese riesigen Datenmengen, die so täglich entstehen, werden in diversen Bereichen genutzt, um Veränderungen über einen längeren Zeitraum festzuhalten und daraus Vorhersagen zu machen. So kommt man beispielsweise bei Umweltkatastrophen schneller an Informationen und kann aus den Daten das Krisenmanagement planen, im Bereich der Umweltwissenschaften werden so Klimaveränderungen, wie Eisschmelzen, beobachtet, ebenfalls können die Satelliten zu Spionagezwecken genutzt werden und in der Industrie werden die Satelliten zur Findung seltener Mineralien verwendet.
Im Rahmen des Geomatik-Herbst-Kolloquiums stellte Dr. Reik Leiterer, Mitbegründer der ExoLabs GmbH, verschiedene Verwendungen des Umweltmonitorings mit Satellitendaten und die daraus entstandenen Produkte vor.
In einem ersten Schritt erklärte er die Probleme, die Satellitendaten mit sich bringen. Dazu gehört die Datenheterogenität, das heisst dass die Satelliten unterschiedliche Auflösungen haben, andere Bahnen fliegen und andere Aufnahmezeiten und -rhythmen haben. Aber auch das riesige Datenvolumen und die Datenauswertung, für die meist eine künstliche Intelligenz benötigt wird, sind zu beachten. Die Kontinuität der Daten muss für Langzeitanalysen ebenfalls gewährleistet sein, das bedeutet, dass immer mehrere Satelliten dasselbe Gebiet aufnehmen müssen und teilweise auch Satelliten verwendet werden müssen, die gewissermassen «durch Wolken sehen» können.
Weiter muss beachtet werden, für was die Aufnahmen in einem zweiten Schritt verwendet werden, da gewisse Tätigkeiten spezielle Satelliten erfordern, beispielsweise solche, die die Erdoberfläche aufnehmen, d.h. das Resultat ist in 3D und nicht nur ein Bild. Manchmal sind noch zusätzliche Feldmessungen oder andere Zusatzdaten nötig. Weiter muss überlegt werden, welche Software verwendet wird. Im Endeffekt soll das Produkt operational, skalierbar und zuverlässig sein und einen gewissen Mehrwert liefern.
Bei der Software wird oft eine Cloud verwendet, da man so den Zugriff auf eine rechnergestützte Infrastruktur hat, der relativ kostengünstig ist. Bei der Cloud verwendet man einen billigeren Computer, der alles steuert, d.h. er steuert wann welche Verarbeitung/Rechnung laufen soll. Somit werden die teuren Geräte nur dann benutzt, wenn diese benötigt werden und danach wieder abgeschaltet. Ein weiterer Vorteil der Cloud-basierten Lösung ist es, dass der Endverbraucher nur den Zugriff auf die Cloud bekommt, die Daten selbst sind aber anderswo abgespeichert, er kann sie lediglich herunterladen. Weiter wird zu einem Grossteil eine künstliche Intelligenz verwendet, welcher gewisse Algorithmen antrainiert werden.


Bild von Dr. Reik Leiterer – ExoLabs GmbH/ Science Lab UZH
Im Beispiel der Arealstatistik wären dies Algorithmen, die anhand von Pixelwerten, Mustern, Texturen und mit Hilfe von gewissen Filtern und einer Veränderungsinformation, also die verglichen mit älteren Bildern, erkennen was für eine Bodenbedeckung in der jeweiligen Kachel ist.
Ein weiteres vorgestelltes Beispiel war, das des Schneemonitorings, bei dem die Schneemasse in gewissen Gebieten konstant aufgenommen werden sollte. Das Hauptproblem dabei war, dass es oft Wolken hat und daher «Lücken» entstanden, die man allerdings mit dem Vergleichen der vorherigen und den folgenden Bildern füllen konnte. Sie erreichen damit eine Genauigkeit von 90-96%. Das Produkt aus dieser Auswertung wird von sehr unterschiedlichen Interessensgruppen, wie zum Beispiel dem SLF oder auch Bauern, die wissen wollen, wieviel Wasser sie im Frühling zu erwarten haben, verwendet. Daher hat man sich auch hier für eine Cloud-Lösung entschieden.
Abschliessend hielt Dr. Reik Leiterer fest, dass die Cloud ein sehr intuitives System ist: gut bedienbar,  breit anwendbar und sehr kostengünstig im Vergleich mit anderen Methoden. Zudem achteten die Cloud-Anbieter auch stets darauf, auf dem neusten Stand der Technologie zu sein, was sie zu einem wertvollen Instrument für das Umweltmonitoring macht.

Autorin: Jasmin Lippuner, Studentin im 1. Semester Geomatik

Montag, 2. Dezember 2019

Zukunftstag 2019

120 Kinder stürmten am 14. November, dem Nationalen Zukunftstag, die FHNW in Muttenz. Im Nationalen Programm ‘Seitenwechsel’ wurden von den Hochschulen am Standort Muttenz sieben verschiedene Workshops für Mädchen (Technik, Informatik, Bauen) und erstmals auch zwei Workshops für Jungs (‘Abenteuer Schule geben’ und ‘ein Tag in der Sozialen Arbeit’) angeboten.
Teilnehmende Kinder bei der Begrüssung im Campus Muttenz
Rund 30 Kinder nahmen zudem am Zusatzprogramm für Mitarbeitendenkinder teil.
Das Interesse an der Geomatik war dieses Jahr besonders gross, so wurde kurzfristig für acht Mitarbeitendenkinder zusätzlich ein kurzer Einblick in die Geomatik mit Augmented und Virtual Reality Applikationen, Drohnenvorstellung und Flugplanung organisiert.
Auf Schatzsuche mit der GPS-Antenne
Einige Mitarbeitendenkinder waren im Fernerkundungsunterricht zu Besuch und konnten dabei den Studierenden beim Bearbeiten von Satellitenbildern über die Schultern schauen. Mit viel Geduld und Engagement erklärten die Studierenden des G5 den jungen Besuchern ihre Arbeitsschritte.
Das IGEO bot zudem 24 Mädchen einen Tag lang Einblick in die spannende Welt der Geomatik und der Informatik. Die Teilnehmerinnen erstellten eigene Karten im GIS, gingen auf Schatzsuche mit der GPS-Antenne, legten selbst Hand an diverse Vermessungsinstrumente, wurden von einem Laser gescannt und programmierten mit Python.
Die Teilnehmerinnen programmierten mit Python
Beim Abschlussapéro in einer quirligen Aula gefüllt mit über 200 Kindern, Eltern und engagierten Mitarbeitenden der FHNW begeisterte der Augmented Reality Sandkasten viele der jungen Besucherinnen und Besucher – und vielleicht auch einige ältere Semester….


Der Augmented Reality Sandkasten begeisterte Jung und Alt

Montag, 25. November 2019

Studierende berichten: Das WG Leben als Geomatik-Student

Die erste eigene Wohnung… Naja, sozusagen. Aber ich versichere Ihnen, das WG Leben ist eine unvergessliche Erfahrung.
Viele denken sich sicher, dass es ein wenig strange ist in eine Wohngemeinschaft (WG) zu ziehen, bei der man die Bewohner und die Stadt kaum oder gar nicht kennt. Ich versichere Ihnen, dies ist es auch, aber das komische und ungewisse Gefühl verfliegt und in wenigen Minuten bemerkt man, dass es noch viel besser ist, als in den kühnsten Träumen.
Ich spreche hier aus eigener Erfahrung. Im Sommer 2018 habe ich mit dem Geomatikstudium in Muttenz bei Basel begonnen. Da ich gebürtiger Zürcher bin und die eineinhalb Stunden Zugfahrt nicht jeden Tag auf mich nehmen wollte, war eine WG in jeglicher Hinsicht die beste Lösung.
Ich wurde sofort sehr herzlich von meinen Mitbewohnern aufgenommen. Anfangs dachte ich mir schon, was wohl wäre, wenn sie mich nicht mögen, oder wenn wir nicht auf einer Wellenlänge wären. Im Nachhinein waren diese Gedanken überflüssig, denn sie sind auch nur Menschen und verfolgen das gleiche Ziel; ihr Studium erfolgreich abzuschliessen.
Schnell entwickelten sich Traditionen wie das wöchentliche WG-Essen. Bei diesem suchen wir anfangs Woche einen Termin, der allen passt. Derjenige, der eine gute Rezeptidee hat, kocht am abgemachten Abend.
Selbsthergestellte Fried Chicken, unser Lieblings-WG Essen

So spart man sich ein Abendessen. Ob man nun für vier Personen oder für eine kocht, spielt zeittechnisch keine grosse Rolle. Zudem lernt man grossartige neue Rezepte kennen.
Ein gemütlicher WG Kochabend, bei dem wir Sushi zubereitet haben


Eine weitere Tradition ist der Gin-Monday. Hierbei degustieren wir jeden ersten Montag des Monats (oder an weiteren Montagen) Gins von unserem selbst erstellten Gin Regal. Man muss sagen, so ein Projekt wie ein Gin Regal ist für einen Studenten nicht ganz billig. Aber ich garantiere Ihnen, dass wir uns in der WG einstimmig einig darüber sind, dass es eine der besten Investition war und auch immer noch ist.
Die Gins wurden extra von England importiert

Das letzte Projekt, welches wir gemeinsam gestartet haben, war der WG Instagram Account. Bei einem Gin-Monday kamen wir auf die glorreiche Idee, für die WG einen eigenen Instagram Account zu erstellen. Dies, weil der Gin unseren Gedankenhorizont an diesem Abend massiv erweitert hat. Falls Ihr mehr darüber erfahren wollt; der Account Name lautet wg_racecourse.
Jetzt noch zum seriösen Teil. Ein Geomatikstudium fordert viel Zeit und an manchen Tagen wird auch bis tief in die Nacht gelernt. Und wenn man sich an einer Aufgabe den Kopf zerbricht, schadet es nie, dass in der benachbarten WG ein Mitstudent wohnt, der vielleicht das gleiche Problem hat oder schon die Lösung dafür. Im Allgemeinen wohnen sehr viele Geomatik-Studenten in Muttenz, weil die meisten einen langen Anfahrtsweg haben. Dies ergibt das beste Umfeld, um zusammen zu lernen. Auch hier spreche ich aus eigener Erfahrung. Fünf Mitstudenten wohnen unmittelbar in der Umgebung. Zwei davon sogar im gleichen Haus.
Abschliessend kann ich diese spannende Erfahrung nur jedem empfehlen und so auch das Geomatik-Studium, weil es eine perfekte Mischung zwischen WG Leben und studieren bietet.
Autor: Manuel Delavy, Student im 3. Semester Geomatik

Dienstag, 19. November 2019

Tag der Geomatik 2019 - Schulklassen strömen nach Aarau um Geomatik zu erleben

Am 13. November 2019 fand im Kultur- und Kongresshaus Aarau (kuk) der fünfte Tag der Geomatik statt. 14 Schulklassen besuchten mit Ihren Lehrpersonen die Module zu den Themen Räumliche Orientierung, Augmented Reality, Schweizer Weltatlas, Meyersche Stollen und Game Programmierung. Über 300 Besucherinnen und Besucher besuchten die vielseitige Ausstellung mit Mitmach-Aktivitäten zum Thema Geomatik.


Die Augmented Reality Sandbox lädt zum Spielen ein
Baggersimulator der Firma Leica
Der Tag der Geomatik wurde organisiert von der ETH Zürich, dem Institut Geomatik der Fachhochschule Nordwestschweiz und der Firma Hexagon. Der Tag der Geomatik war Teil des Jubiläums «200 Jahre Geomatik Schweiz»  und wurde durch fachbezogene Angebote der Firma Hexagon, des Stadtmuseums Aarau und des Ingenieurbüros Ackermann + Wernli AG ergänzt.


Klasse aus St. Gallen beim Besuch des Moduls «Augmented Reality-Erwecke deine Karten zum Leben»
Übergrosses Stativ zur Bestimmung der Körpergrösse
Bereits um 9h strömten die ersten Klassen ins kuk um die Module «Verlieren wir künftig die räumliche Orientierung» und «Augmented Reality-Erwecke deine Karten zum Leben» zu besuchen. Sechs Klassen hatten über den Tag verteilt die Möglichkeit einen Einblick in die Vermessung der Meyerschen Stollen unter der Aarauer Altstadt zu bekommen. Auch das Modul «Schweizer Weltatlas – wieviel Geomatik steckt in einer Karte» stiess auf Interesse. Im Modul des Stadtmuseums Aarau  konnten die Schülerinnen und Schüler im 2-stündigen Game Maker Workshop ihre eigene Spielfigur programmieren.


3D Gesichtsscan
Eintauchen in die Römerstadt Augusta Raurica mit VR-Brillen
Auch die interaktive Ausstellung stiess auf grosses Interesse. Die Schülerinnen und Schüler waren fasziniert vom Bagger-Simulator, spielten mit der Augmented Reality Sandbox, liessen einen 3D-Gesichtsscan machen oder erlebten die ehemalige Römerstadt Augusta Raurica mit der VR-Brille. Auch das übergrosse Stativ, welches die Körpergrösse vermass und der Luftbildteppich zogen die Besucherinnen und Besucher an. Dank dem schönen Wetter waren auch die Posten vor dem kuk gut besucht. Hier konnten man einen Einblick in das SwissGeoLab, das mobile Labor der Geomatik gewinnen und schauen wie in der Leichtathletik Messungen gemacht werden oder wie mit GNSS cm genau gemessen werden kann. In der Foyerausstellung Kern exakt200! des Stadtmuseums Aarau wartete eine weitere Attraktion: ein 3D Scanner, mit dem die Besucher sich selbst vermessen und die eigene Punktwolke nach Hause schicken konnten.
Ein herzliches Dankeschön geht an alle Mitarbeitenden, die uns an dem Tag unterstützt haben sowie an unsere Studierenden aus dem dritten und fünften Semester, welche die Ausstellung und Module mitbetreut haben.





Mittwoch, 13. November 2019

Studierende berichten: SwissChapter GeoForum 06.11.2019


Im Rahmen unseres Bachelorstudiums in Geomatik an der FHNW konnten wir Studierenden im Vertiefungsprofil Geoinformatik am 6. November 2019 das SwissChapter GeoForum der Firma Hexagon Safety & Infrastructure besuchen. Wir trafen uns um 08:45 in Zürich im Technopark auf den Willkommens-Kaffee mit Gipfeli. Durch eine knackige Ansprache und einem Rückblick aufs vergangene GeoForum-Jahr des Präsidenten Markus Hess wurde das GeoForum eröffnet.

Begrüssungsansprache vom Präsidenten SwissChapter GeoForum Markus Hess
Anschliessened haben wir ein interessantes Referat über Hexagon gehört, indem die Firma sich vorgestellt und über Innovation gesprochen hat. Danach wurden wir in Gruppen aufgeteilt, um verschiedene «Marktstände» zu erleben. Insgesamt waren es fünf Stationen. Neben der Risikoresilienz in der Schweiz und dem Prozess Agile@Hexagon wurden weitere Themen vorgestellt. In der Risikoresilienz der Schweiz wurde die Sicherheitsverbundsübung vom Jahre 2019 vorgestellt, welches Terrorbedrohung, Cyber-Operationen und einen KKW-Störfall beinhalteten. Mit dem Verein Lafis und der gleichgenannter Software Lafis werden solche Aufgaben in einem ersten Schritt gemeistert. In einem weiteren Stand wurde das neue Add-On 3D-Data im M.App Enterprise kurz und knapp vorstellt. Diese Applikation kann nun Punktwolken im Browser 3D darstellen und publizieren. Durch ERDAS IMAGINE wurden wir in den Marktstand «Alm oder nicht Alm?» eingeführt. Anhand Fernerkundungsdaten wurden mit einem komplexen Algorithmus die Daten analysiert und klassifiziert nach «Alm oder nicht Alm» (Mundart Alp). Zusätzlich wurde gezeigt wie diese in einer Web-Applikation dargestellt werden kann. Fast alle können sich unter Agilität etwas vorstellen, doch mit dem Ausdruck «Agiles Projektmanagement» können die wenigsten etwas anfangen. Dieses Thema wurde im Marktstand vier vorgestellt. Durch kontinuierlichen Austausch zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer können Projektdauer und -kosten effizient gesenkt werden. In einem letzten Fachvortrag wurde das Basismodul mit speziell für den Kanton Schaffhausen erstellten API vorgestellt. Der Kanton Schaffhausen hat dies in Auftrag gegeben und war mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Zudem verfolgen Sie eine OpenData Strategie, welche die Daten in einem offenen Datenformat zur Verfügung stellt.
Nach einem reichhaltigen Mittagessen mit feinem Dessert und Kaffee informierten uns Mitarbeiter und Praktikanten der Firma Hexagon über das Firmenklima. Zudem erfuhren wir interessante Infos über die Praktika und Festanstellungen. Danach ging es wieder technischer zu und her. Wir durften eine Einführung in die Produktpalette zur Prozessierung, Bearbeitung und Visualisierung von Punktwolkendaten geniessen.

Fokusvortrag «Punktwolke erfasst – und jetzt?»


Nach einem kurzen Plenum mit anschliessender Verlosung, bei welcher wir nicht teilnahmeberechtigt waren, durften wir noch eine Glasflasche als kleines Präsent entgegennehmen. Dies ganz im Zeichen von «we save the world».
Beim abschliessenden Apero entstanden interessante Gespräche mit Personen aus der Privatwirtschaft wie auch aus der Firma Hexagon.


Abbildung 3: Klasse G2017; hinten (v.l.): Philipp Brunner, Raphael Hubler, Igor Kretov; Mitte (v.l.): Andreas Koch, Enea Gentillini, Tobias Hoffmann, Markus Dietsch, Simon Abächerli, Raphael Hunziker; Vorne (v.l.): Simon Fetscher, Fiona Tiefenbacher, Marius Hürzeler, Elia Ferrari, Daniel Reist (ohne Lars Bisig, Eva-Maria Schönauer und Patrick Keusch)
Die Klasse G2017 bedankt sich für den informativen und eindrücklichen Tag am SwissChapter GeoForum 2019.
Autoren: Fiona Tiefenbacher, Simon Fetscher, Raphael Hubler, Studierende im 5. Semester






Donnerstag, 7. November 2019

Studierende berichten: KonGeoS in Würzburg – ein tolles fachliches und persönliches Erlebnis

Die Konferenz für Geodäsiestudierende (KonGeoS) trifft sich zweimal jährlich zu einem viertätigen Treffen an welchem 22 Universitäten und Hochschulen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beteiligt sind. Das Ziel der KonGeoS ist, die Studienbedingungen im deutschsprachigen Raum einheitlich zu gestalten aber auch die Öffentlichkeitsarbeit unseres Berufes und damit mehr Nachwuchs zu fördern.
Am Treffen vom 24. – 27. Oktober 2019 in Würzburg nahmen sechs Vertreter der FHNW teil. Besonders erfreulich war, dass von jeder Klasse des Bachelorstudiengangs mindestens eine Person dabei war. Ich durfte das erste Semester vertreten. Als Neuling wusste ich nicht genau, was mich erwartete, doch waren etwaige Bedenken völlig unnötig. Nach der Anreise und der offiziellen Begrüssung, begann die Konferenz mit einem Willkommensfest. So konnten wir uns in lockerer Atmosphäre zum ersten Mal kennenlernen. Viele Studierende kannten sich schon von früheren Treffen. Obwohl ich noch niemanden kannte, kam ich schnell ins Gespräch mit Anderen. Der Abend war sehr kurzweilig und verging viel zu schnell.


Die Teilnehmenden der FHNW vor der Festung Marienberg. (Bild: zvg)
Der zweite Tag begann mit einer Fachexkursion. Wir konnten aus verschiedenen Exkursionen, welche alle einen Bezug zur Geomatik hatten, auswählen. Ich besuchte eine Veranstaltung der Universität Würzburg, bei der es um das Thema Fernerkundung ging. Wir lernten viele spannende Projekte der Uni Würzburg kennen, welche sich auch mit Geologie und Archäologie befassten.
Am Nachmittag standen acht Fachreferate zur Auswahl, wovon wir vier besuchen konnten, beispielsweise je ein Referat zu den Themen Mobile Mapping, Fernerkundung, Geovisualisierung und Laserscanning mit Wärmebildkamera. Am Abend hatten wir frei und konnten selber entscheiden, was wir machen möchten. So gingen wir mit anderen Schweizern in ein Restaurant und anschliessend in eine Bar und genossen den Abend.
Die wunderbare Aussicht vom Weinberg auf die Region Würzburg. (Bild: zvg)
Der Samstag begann mit einer Stadtexkursion. Auch hier konnte man aus unterschiedlichen Exkursionsangeboten auswählen. So gab es zum Beispiel eine Wanderung im Weinberg, eine Altstadtführung oder eine Besichtigung der Marienberg. Ich besuchte eine Kellerführung im Weingut «Bürgerspital». Dort erfuhren wir viel über den Wein und die Weinkultur in der Region Würzburg. So gibt es sogar eine spezielle Weinflasche, den sogenannten «Bocksbeutel», welche ausschliesslich im Anbaugebiet Franken verwendet werden darf, und das schon seit mehr als 250 Jahren. Auch durften wir den ältesten Weisswein der Welt aus dem Jahr 1540 bestaunen – degustieren mussten wir diesen zu meiner grossen Erleichterung nicht.
Die Festung Marienberg, welche ein Wahrzeichen von Würzburg ist.
Neben all diesen spannenden Erlebnissen wurde auch gearbeitet. So gibt es im Verein KonGeoS verschiedene Arbeitsgruppen, welche unterschiedliche Themen bearbeiten. Dies sind: Nachwuchs, Vereine und Verbände, Öffentlichkeitsarbeit, Projekt, Studium und Lehre. Ich war in der Arbeitsgruppe Nachwuchs, wo wir eine Umfrage erstellten. Das Ziel der Umfrage ist, herauszufinden, wie man auf das Studium aufmerksam wurde, welches die Vorbildung ist und ob man beabsichtigt ein Masterstudium zu machen. Anhand dieser Umfrage kann eine Auswertung über alle Hochschulen gemacht werden, wodurch für die Hochschulen ein Mehrwert entsteht. Anschliessend stand die Vollversammlung auf dem Programm. Dort wurde der Vorstand gewählt, der übernächste Austragungsort festgelegt sowie diverse allgemeine Informationen abgegeben.
Zum Schluss des Kongresses gab es eine Abschiedsparty, die wir rege nutzten, die anderen Teilnehmenden noch besser kennen zu lernen und auf die vergangenen Tage anzustossen. Nach vielen Versuchen schafften es einige Schweizer sogar, dass der DJ eines der Schweizer Lieblingslieder gespielt hat: «W. Nuss vo Bümpliz» von Patent Ochsner. Das war für mich ein Highlight des Abends. Dank der Zeitumstellung, die genau in dieser Nacht war, konnten wir eine Stunde länger feiern, ohne dabei ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Auf der gemeinsamen Heimreise blieb zudem genug Zeit, den verpassten Schlaf etwas nachholen.
An diesem Wochenende konnten wir sehr viele neue Kontakte knüpfen und uns mit verschiedensten Hochschulen über das Studium austauschen. Wir sechs Teilnehmer aus Muttenz hatten sehr viel Spass und freuen uns schon auf das nächste Treffen, welches vom 11.06. – 14.06. in Bonn stattfinden wird. In meinem Kalender ist dieses Datum schon dick markiert!

Autor: Andreas Eisenring, Student im 1. Semester Geomatik

Montag, 4. November 2019

Studierende berichten: Herbst-Kolloquium zum Thema Location Based Services

Wir benutzen Location Based Services fast täglich bewusst oder unbewusst. Oft denken wir dabei gar nicht mehr daran, dass auch unsere Arbeit dazu nötig war, diese Systeme zu verwirklichen. Doch was sind Location Based Services genau? Wie funktionieren sie und wieso brauchen wir sie? Prof. Dr. Georg Gartner sorgte für Aufklärung beim Geomatik-Herbst-Kolloquium.


Prof. Dr. Georg Gartner vom Departement für Geodäsie und Geoinformation der Technischen Universität Wien
Jede Art von Location Based Services basiert auf einer Kartengrundlage und positionsabhängige Daten. Das heisst, dass Karten nicht nur zum Selbstzweck für den Nutzer dienen, sondern auch, dass Systeme Position und Kontext lesen und verarbeiten können. Doch was sind das nun genau für Systeme und wer sind deren Nutzer?
Übersicht von Location Based Services (Folie Dr. Georg Gartner)
Zu den Systemen gehören alle Arten von Diensten, welche standortbezogene Informationen zur Verfügung stellen. Das elementarste dabei ist die Wegbeschreibung. Doch bis zur Wegbeschreibung ist es ein längerer Weg, als man sich vielleicht denkt. Welche Bushaltestelle ist die nächste, welches ist das beste Restaurant? Oder will ich einfach zu einer Adresse, wo ich schon mal zuvor war, mir aber der Name gerade nicht mehr einfällt? Bei solchen alltäglichen Fragen helfen uns Programme, die mit Location based services auf einer Kartengrundlage funktionieren. Das Ziel von Location based services ist es somit, uns auf einem unkompliziertem und angenehmen Weg, zum korrekten Ziel zu leiten. Und es ersetzt damit, zu einem grossen Teil, das Kartenlesen oder die Kommunikation mit anderen Personen.
Die Nutzer sind wir alle mit unseren mobilen Geräten - egal ob wir mit einem Navi im Auto oder mit unseren Handys zu Fuss, mit dem Fahrrad oder sonst irgendwie unterwegs sind. Und hier heisst es nicht nur „der Weg ist das Ziel“, sondern auch schon zuvor, bei der Ziel- und Routenplanung, unterstützen uns Location based services.
Damit Location based services so zuverlässig wie möglich funktionieren, benötigen wir stets die aktuellsten und besten Kartengrundlagen. Aktuelle Themen hierbei sind selbstfahrende Autos oder die Navigation im Gebäudeinneren. Solche Anwendungen brauchen zwingend optimale Grundlagendaten. Es braucht unzählige Datenmengen an Foto- und Sensoraufnahmen der Strassen und den Gebäuden von innen, damit die erforderte Positionierungsgenauigkeit erreicht werden kann. Um dies zu ermöglichen, werden Location based services in diesem Bereich momentan stark weiterentwickelt. Ein tolles Thema, welches auch in Zukunft für Gesprächsstoff sorgen wird.
Weitere aktuelle Forschungsthemen sind die persönlichen Anpassungen von Location based services und die emotionale Routenplanung. Denn nicht jeder wählt zu jedem Zeitpunkt die gleiche Route um zum Zeil zu gelangen. Dies ist Zeit- und Situationsabhängig, Alters- und Geschlechtsabhängig und unterschiedlich von Person zu Person. Mit Hilfe von Statistiken, Auszählungen und Messungen wird versucht, persönliche Profile für die Routenwahl zu bestimmen. Da dies aber immer von diversesten Faktoren abhängig ist, kann nie eine perfekte Route geplant werden. Aber es ist möglich sichere und schnellere Routen zu planen, indem zu Beispiel Staus, Baustellen oder gefährliche Quartiere umgangen werden.
Die Navigation mit Location based services wird somit nie perfekt sein. Wir werden wohl immer wieder kleine Umwege machen, welche nicht nötig gewesen wären. Und trotzdem wird es stetig verbessert, damit uns das Navi im Auto hoffentlich, in Zukunft, in einem Tunnel, nicht mehr sagt: “Bitte wenden!“


Autor: Christian Moser, Studierender Geomatik im 1. Semester