Donnerstag, 18. April 2019

Im Untergrund von Aarau – 3D-Erfassung und Visualisierung der Meyerschen Stollen

Kevin Hilfiker, Geomatikingenieur bei Ackermann + Wernli AG, präsentierte am dritten Frühlingskolloquium die 3D-Erfassung der Meyerschen Stollen im Untergrund von Aarau unter erschwerten Bedingungen. Neben zahlreichen Sicherheitsmassnahmen und guter Ausrüstung waren einige kreative und unkonventionelle messtechnische Lösungen notwendig, um die Messkampagnen zum Erfolg zu führen. Aus den resultierenden bereinigten TLS-Punktwolken wurden weitere Produkte, wie Grundrisse und Schnitte gemäss den Bedürfnissen der Auftraggeber abgeleitet. Mit den ebenfalls erfassten 360°-Panoramaaufnahmen wurde ein virtueller Stollenrundgang realisiert.

Kevin Hilfiker, Geomatikingenieur bei Ackermann + Wernli AG präsentiert die 3D-Erfassung und Visualisierung der Meyerschen Stollen
Beim dritten Frühlingskolloquium des Instituts Geomatik der FHNW am 16. April 2019 führte Kevin Hilfiker (Geomatikingenieur bei Ackermann + Wernli AG) die Anwesenden thematisch zu den Meyerschen Stollen in den Untergrund von Aarau. Das über 200 Jahre alte Baudenkmal wurde ursprünglich von Johann Rudolf Meyer, Sohn in Auftrag gegeben, um einerseits sein Grundstück zu entwässern und andererseits die Frischwasserzufuhr für seine Seidenfärberei zu gewährleisten. Damals wurden ebenfalls mit unterirdischen Wasserrädern und Turbinen Energie für die Seidenbandfabrik erzeugt.

In den Jahren 1996 bis 2000 erfolgte eine Grundlagenvermessung der Meyerschen Stollen durch Ackermann + Wernli AG. Sie umfasste ein unterirdisches Fixpunktnetz in Lage und Höhe, eine Grundrissaufnahme, Längs- und Querprofile, sowie eine Fotodokumentation.
2015 erfassten Geomatikstudierende im Rahmen des 3D-Blockkurses einen Teilbereich der Meyerschen Stollen nördlich vom Bahnhof Aarau dreidimensional mit Laserscanning und Bildpanoramen. Kevin Hilfiker hatte damals als wissenschaftlicher Mitarbeiter, gemeinsam mit dem erfahrenen Höhlenforscher und Geomatikingenieur Yvo Weidmann, die Leitung der abenteuerlichen und nicht ganz ungefährlichen Messkampagne. In den teilweise mit Wasser und Schlamm gefüllten Stollen herrschten enge Platzverhältnisse, wobei einige Bereiche nur kniend oder gar kriechend erreichbar waren. Bilder und Videos von der Kampagne zeigten die Verhältnisse und die «zusätzlichen» Anforderungen an Mensch und Instrumentarium eindrücklich auf.

Wechsel der TLS-Stationierung unter erschwerten Bedingungen
Die engen Stollen bedingten auch messtechnisch unkonventionelle Lösungen; für die TLS-Stationierungen (Faro Focus3D X 330) kamen selbstentwickelte Spriessstative zum Einsatz und Styroporkugeln aus dem Baumarkt dienten als zusätzliche Targets von Pass- und Verknüpfungspunkten. Nach der Messkampagne resultierten lokale Genauigkeiten im Zentimeterbereich und absolute Genauigkeiten im Subdezimeterbereich. Die Aufnahmen wurden auf das bestehende Fixpunktnetz der Grundlagenvermessung gelagert. Die Ergebnisse des 3D-Blockkurses waren einerseits eine bereinigte Gesamtpunktwolke der Meyerschen Stollen, woraus weitere Produkte, wie Grundrisse und Schnitte abgeleitet werden konnten. Andererseits wurden mit den ebenfalls erfassten Panoramabildern ein virtueller 360°-Stollenrundgang als Webanwendung realisiert.
Ansicht der bereinigten und segmentierten 3D-Punktwolke der Meyerschen Stollen
Durch das geplante Neubauprojekt des WSB-Bahnhofs wurden letztes Jahr zusätzliche 3D-Aufnahmen in anderen Teilbereichen der Meyerschen Stollen notwendig. Um das Kulturdenkmal vor der Zerstörung durch die geplanten Bauarbeiten zu bewahren, mussten die Deckenhöhen des Stollenwerks vorgängig zentimetergenau bestimmt werden. Diesmal erfolgten die Aufnahmen durch Ackermann + Wernli AG. Es konnte auf die Erfahrungen des 3D-Blockkurses aufgebaut werden. Die Aufnahmen erfolgten mit dem TLS Leica BLK360. Für die Aufnahme wurde eine geringere Scanauflösung gewählt, um die Datenmenge und damit einhergehend auch die Aufnahme- und Auswertezeit zu reduzieren. Im Gegenzug mussten grössere Styroporkugeln als Targets eingesetzt werden.







Montag, 15. April 2019

Studierende berichten: Austausch HTW Dresden vom 7 bis 14. April 2019

Panoramabild von Dresden



Mit zwischenzeitlicher Verspätung der DB kamen wir letztendlich doch pünktlich am Sonntagabend in Dresden an, wo wir von zwei Vertretern der Fachschaft empfangen und zu unserer Unterkunft gebracht wurden. Nach einem ausgiebigen Frühstück startete dann am nächsten Morgen das offizielle Programm mit einem Besuch beim Dekan der Fakultät für Geoinformation und einer Führung über den Campus der HTW (Hochschule für Technik und Wirtschaft) Dresden. Nachmittags machten wir zusammen mit dem 4. Semester eine Übung zur Georeferenzierung von VHR-Satellitenbildern (IKONOS-2) und konnten uns auch zum ersten Mal mit den Studierenden austauschen. Am Abend bekamen wir dann noch ein kleine Führung durch die Altstadt von Dresden, wo wir nicht nur die nach der Bombardierung wiederaufgebauten historischen Gebäude sahen, sondern auch zwei Demonstrationen live mitbekamen und uns noch Currywurst in diversen Schärfengraden gönnten.
Am nächsten Morgen bekamen wir Einblick in die verschiedenen Einrichtungen der HTW zur Prüfung und Kalibrierung von EDM-Geräten und Laserscannern, mit denen die Hochschule auch Dienstleistungen für Dritte anbietet. Am Nachmittag «fluteten» wir, wie bereits in Muttenz, einen fiktiven Stausee (Rasterdatenanalyse mit GRASS GIS), rechneten Sichtbarkeitsanalysen, ermittelten Höhenlinien etc. Am Abend wurden wir zum letzten Vortrag der Wintervortragsreihe der HTW zum Thema «Flurbereinigungsschlussvermessung unter Anwendung von Fernerkundungsmethodiken am Beispiel des Verfahrens Wagersrott» eingeladen. Dort erfuhren wir z.B. was ein «Knick» ist und wie aus Laserscanning- und Photogrammetriedaten von einer Befliegung mittels Gyrokopter Flurstücksgrenzen ermittelt werden können. Zum Abschluss dieses Tages gönnten wir uns dann noch jeweils eine überdimensionale Pizza (empirisch bestimmter Durchmesser mittels Fingerspannweite: 50 cm).


Trimble im Fokus

Am Mittwochmorgen bekamen wir einen Einblick in die Vermessungsarbeiten mit Trimble-Tachymetern. Nach einer hilfreichen Instruktion in die Trimble-Bedienoberfläche starteten wir die praktischen Arbeiten auf dem Campus, wo wir mit dem Trimble S8 verschiedene Abläufe durchspielten (freie Stationierung, Stationierung plus, Messung von Richtungssätzen, Absteckung etc.). Nachmittags besuchten wir dann ein Praktikum des 6. Semesters zur 3D-Modellierung mit der Software Revit (Familieneditor) und erhielten auch noch eine kurze Einführung in die BIM-Thematik. Am Abend schafften wir es dann auch auf die andere Elbseite in die Dresdner Neustadt und kehrten in einer tschechischen Bierstube ein mit dem vielversprechenden Werbespruch: «Mácht nix słánk, áber satt!»
 
Messpraktikum
Am nächsten Morgen starteten wir zeitig um 8 Uhr früh mit einem messtechnischen Praktikum. Koordinatenmässig unbekannten Start- und Endpunkte einer 700m langen «Leitung» mussten mittels polarem Anhängen verbunden werden und dann 2 Punkte auf der Geraden abgesteckt werden. Je Gruppe kamen unterschiedliche Ingenieurtachymeter zum Einsatz (z.B. Trimble S8, Leica-Geräte der 1200-Serie) und die anschliessende Kontrolle erfolgte mit GNSS-Empfängern. Wir vier waren alle unterschiedlichen Gruppen zugeteilt und konnten uns in diversen Rollen von Messgehilfe bis Kampagnenleiter nützlich machen… Ausserplanmässig entschieden wir uns dann auch noch am Nachmittag die Vorlesungen des 4. Semesters zu besuchen: «Grundlagen Ingenieurbau» und anschliessend «Landmanagement». Unser wohlverdientes Feierabendbier gönnten wir uns dann in der «Zapfanstalt» in der Dresdner Neustadt, wo nach und nach auch zahlreiche Geomatik-Studenten und auch vereinzelt Studentinnen zu uns stiessen und wir schliesslich in einer Billard-Bar landeten.
Wie funktioniert die hydrostatische Höhenbestimmung? – das erfuhren wir am späten Vormittag des Freitags. Nun wissen auch wir wie man eine Schlauchwaage bedient – mit viel Geduld, Fingerspitzengefühl und einem guten Auge... Im gleichen Lehrgebiet des 6. Semesters («Ingenieurvermessung») stand dann am Nachmittag noch die Netzplanung für die Deformationsmessung einer Staumauer auf dem Programm. Die Netzoptimierung nahmen wir mit Hilfe der Ausgleichungssoftware JAG3D (Java Applied Geodesy) vor – so lernten wir noch eine interessante Open-Source-Alternative zu LTOP kennen.
Da wir erst am Sonntag zurückfuhren hatten wir noch den ganzen «Sonnabend» Zeit um Dresden zu erkunden: Wir fuhren erst zum «Blauen Wunder» (Elbbrücke) und dann mit einer über 100jährigen Schwebebahn auf einen Aussichtspunkt in Löschwitz: Dort hatten wir einen super Überblick über Dresden und das Elbtal, das sogar von einigen Hügelketten umgeben ist – sogar die «Sächsische Schweiz» ist nicht weit. Weiter ging es dann noch zum Schloss Pillnitz, wo wir durch den Schlosspark spazierten, dessen geometrische Formen sich in unserem Praktikum am Montag bereits gut als Passpunkte für die Georeferenzierung bewährt hatten. Auf der Elbseite des Schlosses stiessen wir dann auch noch auf die Markierung der Hochwasser von 2002 und 2013.

Ausflug nach Pillnitz
Passend zu unserer Abreise am Sonntag regnete es dann – trotzdem wären wir gerne noch länger geblieben: Uns hat der Aufenthalt in Dresden sehr gut gefallen!

Autorin und Autoren: Simon, Marius, Marcus und Eva: Bachelorstudierende im 4. Semester

Montag, 8. April 2019

Studierende berichten: (k)ein Plan von Geomatik?

«Geomatik? Keine Ahnung was das ist!» Eine Antwort, die ich gefühlt schon tausend Mal gehört habe, wenn ich erzähle was ich beruflich mache. Für mich unverständlich, denn Jedermann und Frau kommt mehrmals täglich mit dem Thema Geomatik in Berührung.

Du hast kein Plan was Geomatik ist? Ein Geomatiker macht genau das: Er macht Pläne und das in ganz verschiedenen Facetten. Das dir die Geomatik schon längst begegnet ist wirst du bald selbst an deinem Tagesablauf merken.
Schon wenn du gemütlich beim Frühstück sitzt hast du deine erste Begegnung des Tages mit der Geomatik. Denn dein Müesli wurde vermutlich mit einem Lastwagen oder vielleicht Schiff in deine Migros transportiert. Was hat das mit Geomatik zu tun? Eine ganze Menge, denn heute wird die ganze Logistik mithilfe von Geoinformationssystemen geplant und überwacht. Falls ein Wirbelsturm die Schiffe zwingt im Hafen zu bleiben, werden die Güter auf einen anderen Weg umgeleitet und zu dir gebracht.
Wenn du dann deine Zähne vom Müesli befreist und dir die Zähne putzt, wo fliesst dann das Abwasser durch? Irgendwo im Boden verlaufen Rohre mit deinem Zahnpasta-Abwasser darin, diese Leitungen werden eingemessen und in einem Plan eingetragen, damit man bei einem Schaden die Leitungen auch wiederfindet.
Bei der Fahrt ins Büro gibt es sogar gleich mehrere Geomatik-Begegnungen! Denn alles was mit Navigation zu tun hat, wie komme ich von A nach B, hat mit Geomatik zu tun. Die Daten für dein Navi werden von Geomatikern erfasst und die Berechnungen deiner Routen gleich mit. Wenn du jetzt denkst: «Ja also den Weg ins Büro kenne ich im Schlaf, da brauche ich kein Navi.» Ich nehme einmal an du fährst auf einer Strasse, tja auch beim Bau dieser Strasse haben Geomatiker mitgeholfen. Geomatiker planen, vermessen und überwachen auch Strassen.




Während der Arbeit ist es dir vielleicht einmal langweilig und du träumst von deinem Traumhaus. Du schaust dir Grundstücke und Häuser an. Spätestens wenn du dir dein eigenes Haus kaufst oder sogar noch baust, bekommst du es mit Geomatikern zu tun. Denn auch der Grund und Boden wird von Geomatikern eingemessen und der Grundbuchplan wird von ihnen sogar noch verwaltet. Falls du dir kein Haus leisten kannst, dann träumst du vielleicht schon von deiner geplanten Wanderung am Wochenende. Warte da gibt es doch dieses grossartige App? Da kann man Wanderwege ausdrucken und man sieht sogar noch die Höhenmeter! Genial gemacht von: Geomatikern.

 Okay, langsam aber sicher hast du genug vom Thema Geomatik. Leider ist dein Tag noch nicht fertig. Du musst nämlich noch schnell einen Salat beim Hofladen einkaufen. Damit der Salat und alle anderen Pflanzen, die der Bauer anbaut gedeihen, muss der Bauer seine Felder im Griff haben. Die Fruchtfolge plant und verwaltet er mithilfe eines Geoinformationssystems. Geomatik ist sogar noch ökologisch.
Spät am Abend hast du dann noch Lust einen Film zu schauen, einen Animationsfilm wäre doch toll? Damit die Animationen im Film möglichst realitätsgenau dargestellt werden können, hilft die Geomatik mit. And the Oscars goes to…
22:00 Uhr und du gehst todmüde ins Bett. Ich glaube das geht ohne Geomatik, aber vielleicht träumst du von der Geomatik. ;-)


Autorin& Bilder: Ramona Hallauer, Studentin im 2. Semester

Donnerstag, 4. April 2019

Studierende berichten: Geomatik studieren? Mein erstes Semester im Bachelor in Geomatik

Du weisst nicht, ob du das Studium zum Geomatikingenieur / zur Geomatikingenieurin starten sollst oder nicht? In den folgenden Zeilen kannst du lesen, wie ich meinen Start ins Studium und das gesamte erstes Semester erlebt habe. Mit einer gewissen Selbstdisziplin geht das dann auch ohne schlaflose Nächte.

Aller Anfang ist schwer! So sagt es das alte Sprichwort, doch es trifft bei weitem nicht immer zu. So auch nicht bei meinem Start in das Studium. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich am 17. September 2018 wieder einmal ein Schulhaus betrat und mich auf die Suche nach dem richtigen Vorlesungssaal machte, wo ich tatsächlich auch einige bekannte Gesichter aus der Berufsschule sichtete. Am Morgen bekamen wir zuerst allgemeine Infos für alle neuen Studierenden der Hochschule für Architektur, Bau und Geomatik. Dank unterschiedlichen Farben der Namensschilder fand ich in den Pausen sehr schnell heraus, wer alles zu den Geomatikstudierenden gehört. Es entwickelten sich nach den üblichen Kennenlernfragen bereits sehr interessante Gespräche, hauptsächlich natürlich über die Geomatik. Am Nachmittag waren dann nur noch die 14 Geomatiker/Innen zusammen unterwegs und wir schauten uns unsere Räumlichkeiten an. Anschliessend an den offiziellen Teil wurden wir mit Grill und Bier auch noch von den Semestern ob uns herzlich willkommen geheissen. Bereits da war zu spüren, dass die wenigen Geomatikstudentierende auch semesterübergreifend ein sehr gutes Verhältnis pflegen.
Während dem Unterricht wird aufmerksam zugehört und Notizen gemacht
Am Dienstag ging es dann los mit der Schule, schliesslich sind wir alle gekommen um etwas zu lernen. Ein wenig misstrauisch darüber, dass wir meistens mindestens vier Lektionen am Stück dasselbe Fach unterrichtet bekommen, war ich doch überrascht, wie schnell die Zeit dabei vergeht. Je länger die Woche dauerte, desto berufsspezifischer wurden auch die Fächer. Von trockener Mathematik, Physik und Englisch gingen wir über zur geodätischen Messtechnik, GIS Grundlagen und verschiedenen Teilen der Informatik. In dieser ersten Woche liefen eigentlich alle Fächer gleich ab. Zuerst gab es eine Vorstellungsrunde, dann die Infos über den Inhalt des Fachs, eine Terminübersicht für das gesamte Semester, gefolgt von Anweisungen für die Zwischenprüfungen und wenn noch ein wenig Zeit übrig war, begannen wir tatsächlich doch noch mit dem Unterricht. So war mein Kopf bis Ende Woche voll mit Infos, die ich später sowieso wieder nachlesen musste, weil ich nicht mehr wusste, welcher Dozierender welche Regeln aufgestellt hatte.
Dank der kleinen Klasse lernten wir uns sehr schnell besser kennen und es entwickelte sich bald eine tolle Klassendynamik. Diese half dann auch, als nach vier Wochen bereits die ersten Prüfungen geschrieben werden mussten und wir unsere Zusammenfassungen austauschten um herauszufinden, ob auf der eigenen nicht doch etwas vergessen ging. Diese handgeschriebenen A4-Blätter dürfen jeweils an die Prüfung mitgenommen werden und sind eine sehr effiziente Vorbereitungsart.
So sehen die Zusammenfassungen für die Prüfungen aus

Mit der Zeit bildete sich bei mir ein immer ähnlicher Tagesablauf. Nach der Schule stand erst mal Erholung bei Sport oder Musik an und anschliessend setzte ich mich meist nochmals an den Schreibtisch. Im Normalfall gab es nicht mehr sehr viel zu erledigen. Ich kann mich nur an eine ziemlich intensive Woche erinnern, in der einige Prüfungen und dementsprechend auch Zusam-menfassungen zu schreiben waren. Andere Wochen waren sehr locker und so konnte ich den Stu-dentenausgang oder die WG-Partys ohne schlechtem Gewissen immer reichlich geniessen ;)
Viel zu früh begannen die Dozierenden bereits von den Semesterprüfungen zu sprechen und tatsäch-lich nahten diese überraschend schnell. Da diese in der zweiten Woche nach den Weihnachtsferien stattfanden, war in der freien Zeit ausreichend Zeit, um die letzten Zusammenfassungen zu schreiben. In der Woche zwischen Ferien und Prüfungen bekamen wir vom Mathedozenten in der Projektwoche noch zusätzlich Zeit, um für die Matheprüfung zu üben. So konnte ich dann bestens vorbereitet und mit guten Vornoten im Gepäck ziemlich relaxed zu den drei Semesterprüfungen erscheinen. Wir schrieben zwischen Montag und Mittwoch je eine pro Tag und waren danach wieder entlassen. Direkt nach den Prüfungen wurde natürlich immer noch ein wenig über die Resultate diskutiert. Das ändert sich also auch im Studium nicht… Da wir jeweils noch den ganzen Nachmittag frei hatten, unternahmen wir immer noch etwas, bevor ich zuhause nochmals den Stoff für den jeweils nächsten Tag durchging. Bereits zwei Wochen nach den Semesterprüfungen bekamen wir die Semesternoten per Post zugesandt.
Bei einer WG-Party  entsteht auch mal ein
Klassenfoto.

Nach dem ersten Semester kann ich überzeugt sagen, dass es eine sehr gute Entscheidung war, mich für das Geomatikstudium anzumelden. Natürlich war die Motivation nicht jeden Tag gleich gross. Grundsätzlich ist der Unterricht aber sehr abwechslungsreich und die Dozierenden sind extrem interessiert daran, uns möglichst viel Wissen mitzugeben. Wenn man ihre Aufgaben immer erledigt, kommt man mit dem Stoff gut nach. So kann man am Ende das Semester erfolgreich abschliessen und entspannt ins zweite Semester starten.

Autorin: Maria Grünenfelder, Studentin im 2. Semester

Donnerstag, 28. März 2019

Studierende berichten: Masterthesis Präsentation - Energieeffizienz von Gebäuden mittels Drohne bestimmen

Mirco Wedel, Masterstudent am Institut Geomatik, präsentierte am zweiten Frühlingskolloquium seine Masterarbeit zum Thema «VA4Energy – Visual Analytics für die Erkundung von Energieverlusten an Gebäuden». Er untersuchte, inwiefern Visual Analytics (VA) und Visual Feature Engineering (VFE) für die Analyse von drohnenbasierten Thermaldaten von Gebäuden genutzt werden können.
Im Rahmen des zweiten Frühlingskolloquiums des Instituts Geomatik der FHNW, präsentierte der Masterstudierende Mirco Wedel seine Masterarbeit. Er untersuchte, inwiefern drohnenbasierte Thermaldaten von Gebäuden mittels Visual Analytics (VA) ausgewertet werden können. Unter dem Titel «VA4Energy – Visual Analytics für die Erkundung von Energieverlusten an Gebäuden» präsentierte Wedel dem Publikum seine Resultate und Erkenntnisse.
Aktuell wird die Energieeffizienz von Gebäuden aufwändig während einzelner Feldgänge bestimmt. Neu gibt es nun die Idee, dies mit Drohnen grossflächig durchzuführen. Dies würde nicht nur Zeit und somit Geld sparen, sondern auch die Bewertung von Dächern erleichtern. Die Thermalbilder, die Wedel analysiert hatte, nahm er mit einer Drohne vom Typ eBee und einer dazugehörigen Wärmebildkamera auf. Zusätzlich verwendete er die Gebäudedaten des Gebäude- und Wohnregisters (GWR), räumliche Daten der amtlichen Vermessung (AV) und wo vorhanden, Energieverbrauchsdaten.

Aus den Thermalbildern, die mittels Drohne aufgenommen wurden, wurden die Gebäudeflächen extrahiert und analysiert. So gibt es keine Verfälschungen aufgrund anderen Objekten. (Quelle: MTh Wedel HS2018)



Bei der Analyse stellte Wedel fest, dass die Gebäude aufgrund Zusammenführung gewisse Unreinheiten an den Kanten und Ecken aufwiesen. Um eventuelle Probleme zu umgehen, erstellte er geometrische Buffer, mit denen die Polygonflächen der Gebäude verkleinert wurden. Die hieraus entstandenen Bufferflächen wurden anschliessend zur Extraktion der Dachflächen aus dem thermalen Orthophoto verwendet. Alle extrahierten Dachflächen wurden anschliessend analysiert. Mit der morphologischen Analyse der Datendimensionen und der Erstellung von Visualisierungen untersuchte Wedel die Eignung von VA in Bezug auf diese Auswertungen.
Nebst VA verwendete Wedel auch Anwendungen im Bereich des Visual Feature Engineerings (VFE). Diese Ansätze stecken noch in den Kinderschuhen, wurden aber vor kurzem von Susanne Bleisch, Wedels Examinatorin, ausformuliert. Bei seiner Masterarbeit verwendete Wedel das VFE um die Ergebnisse der verschiedenen Analysemethoden zu vergleichen.
Mirco Wedel präsentierte seine Masterarbeit zum Thema «VA4Energy – Visual Analytics für die Erkundung von Energieverlusten an Gebäuden»

Die Resultate, die Wedel erzielen konnte, lassen darauf schliessen, dass VA, so wie auch VFE, für die Analyse von Thermaldaten von Gebäuden eingesetzt werden kann. VFE bietet ein grosses Potential zur Unterstützung von VA hinsichtlich der Auswahl von Analysemethoden und Datendimensionen.
In der kleinen Fläche, mit der Wedel gearbeitet hat, können Muster in den Daten erkannt werden. So lässt sich ein Trend bezüglich des Alters der Gebäude erkennen. Häuser mit älterem Baujahr scheinen im Allgemeinen eher weniger energieeffizient zu sein. Um aber aussagekräftige Schlüsse über die Energieeffizienz ziehen zu können, müsste ein grösseres Gebiet beflogen werden.
Als weiterführende Arbeiten schlug Wedel vor, nicht nur die Dachflächen, sondern auch die Fassaden zu erheben und in die Analyse miteinbeziehen. Dieser Blick in die Zukunft ist sehr realistisch und kann viele Vorteile, beispielsweise eine schnellere und effizientere Bewertung von Gebäuden, mit sich bringen.
Autorin: Katja Müller, Studentin Geomatik 2. Semester

Montag, 4. März 2019

Studierende berichten: Klimawandel am ersten Frühlingskolloquium

Im Rahmen des ersten Frühlings-Kolloquium wird ein heisses Thema angesprochen. Herr Dr. Gian-Kasper Plattner von der WSL zeigte mit klaren Forschungsresultaten, wie der Klimawandel global nachweisbar und faktisch unwiderlegbar ist.

Dr. Plattner zeigt anhand von klaren Diagrammen, wie ernst die Lage ist.
Das Thema des ersten Frühlingskolloquium vom 26.02.2019 lautete: »Klimawandel – Aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen». Herr Dr. Gian-Kasper Plattner erklärte mit viel Fachwissen den Stand der Dinge im Bereich des Klimawandels.

An der Pariser Klimakonferenz 2015 wurde beschlossen, die Klimaerwärmung unter 1.5°C zu begrenzen. Der Weltklimarat IPCC stützt sich auf aktuelle wissenschaftliche Berichte, die von internationalen Forschungsgruppen weltweit erarbeitet und veröffentlicht werden. Diese Weltklimaberichte wurden von allen Regierungen abgesegnet und somit offiziell anerkannt. Was gewisse Leute bloss ‘als heisse Luft der Politiker’ wahrnehmen, kann, laut Dr. Plattner, auch als Schritt in die richtige Richtung wahrgenommen werden.

Die Fakten aus diesen Berichten sprechen klare Worte:
•    In den Eisbohrkernen aus der Antarktis kann man die CO2-Konzentration der Atmosphäre von den letzten Jahrtausenden feststellen. Daraus resultiert, dass die CO2-Konzetration in den letzten 800'000 Jahren nie so hoch waren wie heutzutage. Jährlich emittieren wir 10.1 Milliarden Tonnen Kohlenstoff. Mehr als je zuvor.


Der CO2 Ausstoss ist die Hauptursache des Klimawandels.
•    Wissenschaftler haben ausgerechnet, dass der Ausstoss von 1000 Milliarden Tonnen Kohlenstoff zu 0.8-2.5°C Erwärmung führen. Wenn  wir nur ca. 15 Jahre so weiterleben wie heute, hätten wir dies bereits in 15 Jahren ‘erreicht’.

•    Seit 1850 sind die heissesten Jahre in der Schweiz in den letzten 15 Jahren anzutreffen. Global gesehen hat sich die weltweite Durchschnittstemperatur seit dem Anfang der Industrialisierung um 1°C angehoben. Das führt zum bekannten Schmelzen der Gletscher in den Bergen und Eismassen an den Polen. Ganze Forschungsstationen im ewigen Eis müssen auf Stelzen gebaut werden, damit sie nicht zusammenstürzen, weil der Boden unter ihnen wegschmilzt, wie Dr. Plattner eindrucksvoll mit Bildern belegte.
Die Grafik zeigt die Temperaturabweichung pro Jahr in der Schweiz verglichen mit dem Durchschnitt der Jahre 1961-1990. Daraus lässt sich schliessen, dass die letzten 3 Dekaden die wärmsten waren.
•    Mehr als 50% der Erwärmung kann mit Sicherheit auf den Menschen zurückgeführt werden. Mit den Daten der letzten Jahre versucht man, den Verlauf des Klimawandels für die Zukunft zu simulieren. Jedoch sieht es alarmierend aus. Die Ziele des Klimaabkommens von Paris können, auch wenn wir heute den CO2-Ausstoss drastisch minimieren, nicht mehr erfüllt werden. Wir haben nun schon 1°C globale Erwärmung erreicht und es geht Richtung 2°C.

•    Der Klimawandel hat zusätzliche Auswirkungen, wie saure Ozeane und Nahrungsmittelknappheiten, auf die Dr. Plattner noch hinwies. Auch die Meeresströmungen sind klimaabhängig und deren Veränderung infolge der Erwärmung sind ungewiss und könnten fatal sein.
Die Wissenschaft liefert die alarmierenden Berichte und die Zukunftsszenarien. Die Berichte und Fakten müssen heutzutage nicht nur wahrgenommen werden, sondern auch zu Massnahmen führen. Weltweites Umdenken kann die Folgen des Klimawandels mildern, doch dies ist eine enorme Herausforderung. Weltübergreifende Massnahmen sind schwierig umzusetzen und stossen im Allgemeinen auf Widerstand. Wissenschaftler müssen immer mehr Beweise liefern, dass sie überhaupt gehört werden, während Gegner mit simplen Behauptungen den Klimawandel verharmlosen.

Die Informationen, die Dr. Plattner den Zuhörern vermittelt, lassen die Befürchtungen wahr werden: Der Klimawandel wird drastischer ausfallen, als so manche Menschen heutzutage annehmen. Die gesammelten Daten und die ausgerechneten Szenarien für die Zukunft belegen diese These. Die Frage ist nur, was der Mensch aus diesem Wissen macht.


Autor: Jonas Brunner, Studierender Geomatik im 2. Semester