Donnerstag, 29. August 2019

Gut besuchte Fachtagung 3DGI 2019 – erstmals im neuen FHNW Campus Muttenz

Am 29. August 2019 stand der neue FHNW Campus Muttenz ganz im Zeichen der 3D-Geoinformation. Mit der «3DGI 2019» ging bereits die vierte Fachtagung zu 3D-Geoinformationstechnologien und -anwendungen erfolgreich über die Bühne. 180 Teilnehmende aus allen vier Sprachregionen verfolgten 16 spannende Fachbeiträge und zwei Keynotes aus Hochschule und Praxis und informierten sich in der Firmenausstellung über die neusten Produkte und Dienstleistungen.

Den Auftakt machte Laetitia Bochud, Head of Network Development bei «Virtual Switzerland» über das verblüffende Anwendungsspektrum und –potential von Extended, Virtual und Augmented Reality und über die Ziele und Aktivitäten von Virtual Switzerland, dem nationalen Innovations-Netzwerk für Extended Realitities. Im Anschluss daran konnten sich die Teilnehmenden für unterschiedliche thematische Sessionen entscheiden.
Keynote von Laetitia Bochud zum Innovationsnetzwerk Virtual Switzerland in der Aula des neuen FHNW Campus Muttenz

In der GeoBIM-Session demonstrierten Simon Ashworth und Mihaela Meslec von der ZHAW Life Sciences and Facility Management zusammen mit Michael Fretz von Cubera AG anhand eines spannenden Use Cases den konkreten Nutzen von BIM im Facility Management. Bertrand Cannelle von der heig-vd in Yverdon stellte anschliessend Methoden zur Kontrolle von Genauigkeit und Zuverlässigkeit eines BIM-Modells am Beispiel des Bahnhofs Vallorbe vor. In der Folge präsentierte Wissam Wahbeh vom Institut Digitales Bauen (IDIBAU) der FHNW die «Projektinitiative Digital Twin Campus Muttenz – eine Innovationsplattform für die Lehre und Forschung». In diesem Gemeinschaftsprojekt mit dem Institut Geomatik wird am Beispiel des Campus Muttenz der Aufbau eines digitalen Gebäudezwillings untersucht. Einen spannenden Einblick in internationale Grossprojekte bot der Beitrag «GeoBIM –Experiences with GeoBIMin the United Arab Emirates» von Peter van Es, CEO und Managing Director von Avinéon Europe.

In der Parallelsession zu Augmented und Virtual Reality stellte Adrien Gressin als neuer Professor für Photogrammetrie an der heig-vd aktuelle Methoden sowie einen Workflow für die Erfassung bis hin zur Nutzung des komplexen interaktiven 3D-Modells des Bahnhofs von Vallorbe vor. Michael van Eggermond aus der frisch gegründeten Fachgruppe Verkehr und Mobilität am Institut Bau der FHNW demonstrierte eindrücklich, wie immersive virtuelle Umgebungen am Beispiel eines Fahrradsimulators für Mobilitäts-Verhaltensstudien genutzt werden können. Anschliessend präsentierten Nicole Sulzberger von EBP und Christian Hürzeler vom Amt für Städtebau Zürich die Entwicklung und den praktischen Einsatz von AR-Lösungen – u.a. mit der Microsoft HoloLens – in der Raumplanung, Arealentwicklung und im Hochbau.

Ein Stehlunch im Ausstellungsbereich der Tagungssponsoren Allnav, ESRI, Hexagon Geosystems, Hexagon Geospatial, Mensch und Maschine und iNovitas bot die Gelegenheit zum angeregten fachlichen und persönlichen Austausch. Den Auftakt zur Nachmittagssession machte Prof. Peter van Oosterom von der TU Delft mit seiner Keynote «LADM-v2 as Core Information Model for the Smart City 3DGI: 3D Cadastres, 3D Valuation and 3D Spatial Planning Information». Er gab damit einen ausgezeichneten Überblick über die internationalen Aktivitäten und die laufenden ISO-Normierungsbestrebungen im Bereich Landmanagement. Er wies auf die Bestrebungen hin, INTERLIS umfassend auf die dritte Dimension zu erweitern, und äusserte den Wunsch, dass sich die Schweiz mit ihrem reichen Knowhow im Bereich Datenmodellierung und -austausch aktiv am ISO-Prozess beteiligen möge.
3DGI 2019 profitiert von der topmodernen Tagungsinfrastruktur für Fachprogramm und Ausstellung

Mit der Keynotes war das Feld für die erste Nachmittagssession zum Thema 3D-Kataster und Smart Cities geebnet. Mit ihrem gemeinsamen Beitrag «3D-Stockwerkeigentum technisch bereit» zeigten Helena Åstrom von der Swisstopo und David Holdener von bbp geomatik auf, dass die Geomatik-Branche für die Dokumentation des 3D-Stockwerkeigentums bereit wäre. Sie wiesen aber darauf hin, dass trotz der grossen wirtschaftlichen Bedeutung des Stockwerkeigentums noch diverse politische und rechtliche Hürden zu dessen Dokumentation zu nehmen sind, wie zum Beispiel die Schaffung gesetzlicher Grundlagen, wie diese beispielweise im Kanton Genf mittlerweile vorhanden sind. Wenig erstaunlich, dass der folgende Beitrag «Retour d’expérience sur la Mise à Jour du Bati 3D du canton de Genève» von Pierre-Laurent Billabert von Avinéon, die praktische Nachführung von 3D-Gebäudedaten im Kanton Genf zum Inhalt hatte. Martin Christen stellte anschliessend mit «Augmented Reality Anwendungen für die Energieversorgung in der Smart City» aktuelle Entwicklungen am Institut Geomatik der FHNW in Zusammenarbeit mit den Kantonen Basel-Stadt und Baselland sowie dem Energieversorger IWB vor.

In der Parallelsession standen neue Anwendungsszenarien für 3D-Geoinformationstechnologien im Vordergrund – konkret im Untergrund sowie im Wald und im innerstädtischen Bereich. Stephan Blaser und Daniel Weber vom Institut Geomatik der FHNW präsentieren als erstes das Leistungspotential rucksackbasierter portabler 3D-Datenerfassungssysteme. Anhand praktischer Untersuchungen mit dem BIMAGE Backpack des Instituts stellten sie verschiedene Georeferenzierungsverfahren vor. Sowohl in Tunnels, im Wald und im innerstädtischen Bereich konnten mit LiDAR-SLAM beachtliche Resultate erzielt werden. Diese Genauigkeiten konnten jedoch mit einer anschliessenden bildbasierten Georeferenzierung nochmals um ca. einen Faktor 10 auf wenige cm gesteigert werden. Im anschliessenden Beitrag zeigte Yacine Benmansour vom Institut inPact der hepia am Beispiel von Geodaten im Untergrund Ansätze zur Interoperabilität zwischen BIM und GIS auf. Den Schlusspunkt machte Oliver Schneider von Amberg Technologies mit seinem Beitrag «Tunnel Unterhalt 4.0 – Einsatz von künstlicher Intelligenz für einen effizienten Tunnelunterhalt». Dabei bot er einen spannenden Ausblick auf das enorme Einsatzpotential der KI im Bereich des Bauwerksmonitorings.

Die abschliessende Podiumsdiskussion und die Fragen aus dem Publikum zeigten, dass das Thema BIM bzw. GeoBIM und damit das Zusammenspiel von Geodaten und Gebäude- bzw. Infrastrukturdaten einerseits und das Einbringen des vorhandenen Knowhows und Erfahrungsschatzes der Geomatik in den Bereichen (3D-) Datenmodellierung und modellbasierter Datenaustausch eine grosse Herausforderung aber auch eine grosses Potential für unsere Branche darstellen. Nach der diesjährigen 3DGI-Fachtung gilt es nun wieder, die neuen Erkenntnisse in der Praxis umzusetzen und in konkreten Projekten auszutesten.
Schlusswort mit den Tagungsleitern Stephan Nebiker, IGEO/FHNW und Patrick Reimann, Cadastre Suisse

Wir danken unseren Co-Organisatoren von Cadastre Suisse, GEO+ING und hepia für die Unterstützung bei der Organisation der Tagung, allen Referierenden, den Moderatoren, unseren Sponsoren und Ausstellern, der FHNW-Crew am Campus Muttenz sowie den zahlreichen aktiven und stillen Helfenden, welche zum Tagungserfolg beigetragen haben.

Die Originalfolien sowie Übersetzungen aller Beiträge sind auf der Website der 3DGI 2019 im Programmteil aufgeschaltet und zum Download bereit: http://www.3dgi.ch/3dgi2019

Im Namen des Organisationskomitees
Stephan Nebiker, Institut Geomatik, FHNW

Mittwoch, 21. August 2019

GeoForum 2019

Am Donnerstag, den 15. August 2019 stellten die Diplomierende im Bachelorstudiengang Geomatik ihre Abschlussarbeiten im Rahmen des GeoForums 2019 vor interessiertem Publikum vor. Mit Kurzpräsentationen wurden den zahlreich erschienenen Zuhörerinnen und Zuhörern die beeindruckenden Resultate aus den vergangenen acht Wochen Arbeit präsentiert.


Präsentation der Bachelor-Thesen in der Aula der FHNW in Muttenz
Die Bachelorarbeitsthemen deckten einmal mehr eine breite Palette an Themen aus dem Bereich der Geomatik ab: Neben klassischen Aufgaben der Ingenieursvermessung und der Geoinformatik, wurden dieses Jahr gleich mehrere Arbeiten im Bereich Deep Learning durchgeführt.

Interessierte finden online Zusammenfassungen der Bachelorarbeiten hier.


Nach Abschluss der Präsentationen, folgte ein Apéro riche, der freundlicherweise von der Firma HEXAGON Safety and Infrastructure gesponsert wurde.


Apero riche gesponsert durch die Firma HEXAGON

In entspanntem Rahmen konnte das Publikum in der Posterausstellung brennende Fragen direkt mit den Diplomierenden diskutieren und die entwickelten Applikationen selbst ausprobieren.


Hands-on bei der Posterausstellung der Bachelorarbeiten

Dienstag, 20. August 2019

Geomatik Summer School 2019

Vom 12. bis 14. August führte das IGEO die Geomatik Summer School zum elften Mal durch. Mit 24 Teilnehmenden war der Anlass ausgebucht. Die diesjährige Ausführung war in zweierlei Hinsicht speziell. Einerseits fand die Summer School das erste Mal im neuen Campus Muttenz statt, andererseits fanden die Workshops am Dienstag in dem Campus der Hochschule für Gestaltung und Kunst (HGK) statt.
Die Teilnehmenden der Geomatik Summer School 2019
Am Montagmorgen standen nach der Begrüssung und einem Rundgang im Gebäude drei Infoblöcke zu den Themen Augemented Realitiy (AR) / Virtual Reality (VR), moderne Geosensorik sowie photogrammetrische Aufnahmeplanung an. In den Blöcken moderne Geosensorik und photogrammetrische Aufnahmeplanung konnte bereits Vorlesungsluft geschnuppert werden. Im Gegensatz dazu, durften die Teilnehmenden im Block AR / VR diverse Applikationen auf mobilen Geräten oder VR-Brillen selbst ausprobieren.
Testen der verschiedenen AR-/VR-Applikationen
Am Nachmittag wendeten die Jugendlichen die gelernten Prinzipien für die photogrammetrische Aufnahme bereits selbst an. Am Campus suchten sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen ein Objekt aus, welches sie mit den eigenen Smartphones von allen Seiten und mit genügen Überlappung fotografierten. Mit Metashape Professional wurde aus den einzelnen Bilder ein texturiertes 3D-Modell berechnet. Die Teilnehmenden lernten, dass sich die Anzahl Bilder stark auf die Prozessierungszeit auswirkt. Zum Schluss wurde eine Animation erstellt, damit das 3D-Modell aus allen Blickwinkeln betrachtet werden kann.

3D-Modell eines Plüsch-Flamingos
Der Dienstag war dem Thema 3D-Modellierung mittels Laserscanner und Drohne gewidmet. Die Erfassung beanspruchte den gesamten Vormittag. Die Fassaden des Gebäudes wurden mittels Scanfunktion von jeweils vier Tachymetern gleichzeitig erfasst. Zusätzlich wurden mit einer Drohne das gesamte Gelände von oben erfasst.
Aufnahmen mittels Tachymeter und Drohne
Am Nachmittag wurde aus den Drohnenaufnahmen eine Punktewolke generiert und mit den Fassadenscans zu einem Modell vereinigt. In Blender wurde das Gebäude von Hand ansatzweise nachmodelliert und in Metashape texturiert. Einige Teilnehmende nutzten das gelernte vom Vortag und erstellten eine Animation des Modells.
Auswertung der gescannten Punktwolke
Mit wenigen Zeilen Code lässt sich bereits einiges anstellen. Diese Erfahrung machten die Teilnehmenden – die meisten haben vorhin noch nie programmiert – am Mittwochmorgen. Unter Anleitung wagten sie sich an das Programmieren eines Quiz. Darin muss erraten werden in welchem Kanton sich der gezeigte Kartenausschnitt befindet. Nach einer Einführung zu JavaScript und Leaflet, ging es bereits los mit dem Anpassen und Eintippen von Codezeilen. Bis zum Mittagessen hatten fast alle ein funktionierendes Quiz auf dem eigenen Laptop.

Konzentrierte Blicke in die Bildschirme beim Programmieren
Nebst dem fachlichen, kam auch das gesellschaftliche nicht zu kurz. Beim gemeinsamen Grillabend im 12. OG des Campus Muttenz und beim Pizzaessen in der Basler Innenstadt fand ein reger Austausch zwischen den Teilnehmenden untereinander sowie mit den Mitarbeitenden des IGEO statt.

Pizza mit einer Länge von einem Meter

Dienstag, 6. August 2019

CAS Landadministration in Kolumbien

Arbeitswoche mit Kolumbianischen Vertretern am Campus Muttenz.
Das Schweizerische Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) finanziert in Kolumbien u. A. das Projekt «Modernisierung der Landadministration», welches zum Ziel hat, mit technischer und technologischer Unterstützung die Umsetzung tiefgreifender Reformen in der Verwaltung von Grund und Boden zu fördern. Diese Reformen wurden durch das Friedensabkommen zwischen der Kolumbianischen Regierung und der FARC-Guerillas, welches im Dezember 2016 unterzeichnet wurde angestossen.
In diesem Rahmen darf das IGEO einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit des SECO-Projektes liefern, insbesondere bei der Erweiterung der Fachkompetenzen der lokalen Fachkräfte.
Zurzeit wird am IGEO ein Certificate of Advanced Studies (CAS) zu diesem Thema entwickelt, welches nächstes Jahr in Bogotá gehalten werden soll. Das Weiterbildungsangebot entsteht in Zusammenarbeit mit drei strategischen lokalen Partnern, der Universidad Distrital, der Universitad Sergio Arboleda sowie dem Istituto geografico Agostin Codazzi  und dessen Abteilung für Weiterbildung.


Vom 24. bis 28. Juni fand eine Arbeitswoche am Campus Muttenz statt, an welcher Vertreter aller Partner beteiligt waren, um die Details des CAS zu besprechen. Das geplante Dozierenden-Team wird aus Dozierenden vom IGEO und von den Partneruniversitäten bestehen, ergänzt mit einzelnen Fachexpertinnen und –experten.
Intensive Besprechungen der Arbeitsgruppe über die Kursinhalte und Umsetzungsphasen (Foto L. Jenny)
Die Arbeitswoche wurde mit Besuchen bei verschiedenen Amtsstellen des Katasterwesens der Schweiz wie dem Bundesamt für Landestopographie (swisstopo), beim Amt für Geoinformation Basel-Land AGI BL sowie beim Geometerbüro Jermann AG abgerundet.

Gruppenfoto vor dem Bundesamt für Landestopographie in Wabern. (Foto L. Jenny)
Weitere Informationen zum Projekt sind hier zu finden.